Interview mit Praktikantin Reyhan Pektas

Ich habe schon in verschiedenen Einrichtungen bzw. Bereichen gearbeitet, wie zum Beispiel in einer Schule für körperlich und seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, in einer

 Interview am 27.08.2012 mit Reyhan Pektas zu ihrem Praktikum in der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA


Können Sie sich kurz vorstellen?

Mein Name ist Reyhan Pektas, ich bin 23 Jahre alt und studiere an der Katholischen Hochschule Mainz Soziale Arbeit.

Sie machen zur Zeit ein Praktikum bei der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA in Kasbach-Ohlenberg. Wie sind Sie auf die Einrichtung gekommen?

Ich habe schon in verschiedenen Einrichtungen bzw. Bereichen gearbeitet, wie zum Beispiel in einer Schule für körperlich und seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, in einer Grundschule, in Jugendzentren und anderen sozialpädagogischen Einrichtungen. Dieses Mal wollte ich mein Praktikum in einer Einrichtung machen, die speziell für die Bedürfnisse der Frauen arbeitet. UTAMARA war für mich dafür die perfekte Stelle. In einer Veranstaltung habe ich erfahren, dass UTAMARA auch Praktikumsplätze anbietet.

Wie haben Sie von UTAMARA gehört, von der Einrichtung erfahren?

Ich studiere seit dem Wintersemester 2010/2011 Soziale Arbeit in Mainz und war neben meinem Studium in der kurdischen Studentenorganisation YXK in Mainz aktiv.

Wir haben oft Veranstaltungen zu verschiedenen Themen organisiert. Als wir zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen eine Referentin gesucht haben, stellten wir fest, dass UTAMARA mit anderen Organisationen kurz vorher eine Internationale Konferenz gegen den Feminizid (angelehnt an Genozid aufgrund des Frau seins) organisiert hat. Wir wollten gerne mehr darüber wissen und haben eine Mitarbeiterin von UTAMARA zu dieser Thematik eingeladen. So lernten wir die Einrichtung auch näher kennen.

Wie lange arbeiten Sie schon in der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA mit und was haben Sie dort bis jetzt erlebt und gelernt?

Mein Praktikum hat am 04.08.2012 begonnen und dauert acht Monate. Ich bin nun mehr als drei Wochen hier und habe bereits in vielen Bereichen ein Einblick erhalten: Projektanträge schreiben, Beratung für von Gewalt betroffene Frauen, Seminare von Gruppen vorbereiten, Netzwerktreffen, den Ablauf und die Tätigkeiten des Büroalltags etc.. Es ist eine große Bereicherung für mich und meine zukünftige Tätigkeit in der Sozialen Arbeit. Hier kann ich mich beruflich und auch als Frau frei entfalten. Seitdem ich hier bin, habe ich intensiver bemerkt, dass die Probleme der Frau im Alltag nicht nur an ihr selbst liegen.

Was meinen Sie mit „sich als Frau frei zu entfalten“?

Für mich ist es wichtig, etwas über die Sozialisation von Frauen zu erfahren. Im Studium und auch früher in der Schule gab es kaum Möglichkeiten darüber etwas zu lernen. Das finde ich einen großen Kritikpunkt am Bildungssystem!

Es ist für mich etwas Besonderes, in einer Umgebung nur unter Frauen zu arbeiten. Obwohl in unserer Gesellschaft hier die Frauen angeblich nicht unterdrückt werden, merke ich, dass die Atmosphäre nur unter Frauen lockerer ist und ich mehr Selbstvertrauen habe.

Sie haben selbst einen Migrationshintergrund, war es für Sie wichtig, dass bei UTAMARA Frauen verschiedener Herkunft mitarbeiten?

Ja, ich bin Kurdin. Das UTAMARA von kurdischen Frauen mitgegründet worden ist, hat für mich natürlich eine große Anziehungskraft gehabt. Mich haben aber die Begegnungen mit Frauen verschiedener Frauenorganisationen und auch internationaler feministischer Bewegungen in der Einrichtung gereizt.

Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA ist ja auch eine Bildungseinrichtung, welche Themen interessieren Sie besonders?

Die aktuellen Probleme von Frauen und ihre Begründung in der Geschichte interessieren mich besonders. In der Auseinandersetzung mit Matriarchaten und der 5000 jährige Zivilisationsgeschichte habe ich gelernt, dass einst Frauen als Wissende/Weise für alles galten und deswegen vergöttert wurden. Da muss man sich angesichts der heutigen Gesellschaft Gedanken machen, was bei der Menschheitsentwicklung falsch gelaufen ist. Die Frau hat sich im Neolithikum ein breites Wissen über die Natur angeeignet, allein Frauen können bis heute neues Leben auf die Welt bringen, die Frau war es, die über das Anlegen von Vorräten von Nahrung nachgedacht hat und nicht nur von einem Tag zum anderen plante. Damit ist das erste kommunale Leben entstanden. Genau aus diesem Grund entstand der erste Neid seitens des Mannes. Denn der Mann hatte nur seine Jagd und darin war er nicht täglich erfolgreich, verglichen zur Frau. Die Frau war jeden Tag erfolgreich und das machte ihn mit der Zeit ungeduldig und wütend. Diese Wut richtete sich gegen die Frau und damit begann die erste Versklavung aus der eine 5000 jährige Sklaverei wurde.

Was könntest du den jungen Frauen da draußen mitgeben?

Nimmt euch selbst als Frauen wahr und nicht als Produkt der Gesellschaft!

Nimmt die möglich wahr, zu uns in die Einrichtung zu kommen und an verschiedenen Seminaren zur Frauenthematik teilzunehmen. Wir haben Bildungsseminare, Selbstverteidigungskurse, Kulturaktivitäten, Musikkurse und vieles mehr....

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Aktuelle Veranstaltungen

Aktuelle Termine finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite (@UTAMARA.06)

 

15.06.2019 13:00-17:00 Uhr Kinderfest Regenbogen der Kulturen in Linz (Rhein)

19.07.2019 - 21.07.2019 Sommerfreitzeit für Kinder von 7- 13 J.

26.07.2019 - 01.08.2019 Mutter-Kind-Sommerfreizeit

 

... für mehr Infos und Anmeldungen rufen Sie uns einfach an (02644-602424)

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