Freitag, Oktober 20, 2017
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Die Freiheit der Frauen in Şengal ist die Freiheit der Menschheit

Die Terrormiliz IS (Islamischer Staat) führt im Irak einen brutalen Krieg gegen die dortige Bevölkerung und dabei insbesondere gegen alle, die in ihren Augen Ungläubige sind: kurdische EzidInnen, christliche Minderheiten aber auch diejenigen Muslime, die nicht mit ihren radikalen Vorstellungen vom Islam übereinstimmen. Mit ganz besonderer Härte treffen diese Angriffe Frauen und Mädchen.

Laut UN Angaben befinden sich derzeit über 500.000 Menschen im Irak auf der Flucht vor diesen Massakern. Diejenigen die nach den Angriffen des IS Anfang August in der Region Şengal aus der Region flüchten konnten, berichten vom Einmarsch des IS in ihre Dörfer und der grausamen Brutalität mit der die Milizen vorgehen. Sie berichten von Massenexekutionen, Vergewaltigungen und Morden. Die brutale Gewalt, die sich insbesondere gegen Frauen richtet, brachte und bringt Frauen und Mädchen dazu, sich in den Tod stürzen, bevor sie in die Hände der IS fallen. Tausende Mädchen und Frauen sind entführt und auf Sklavenmärkten verkauft worden. Viele werden von den Dschihadisten selbst als Sexsklavinnen missbraucht und gefoltert. Bei einer Zusammenkunft des UN-Menschenrechtsrats in Genf am 1.9.2014 wurde die Zahl der entführten und verkauften Frauen auf ungefähr 3000 geschätzt. In den von dem IS besetzten Gebieten, werden untragbare Lebensbedingungen für Frauen gewalttätig durchgesetzt. Dazu gehören z.B. Verschleierung, Ausgangsverbote, Genitalverstümmlung und die zeitlich befristeten „Dschihad-Ehen“.

Viele weitere Informationen und Hintergründe haben wir für Sie HIER in einem umfassenden Dossier zur Situation Frauen in diesem Krieg des IS in Syrien und Irak zusammengestellt.

Sexuelle Gewalt ist eine Kriegswaffe und wird in allen Kriegen eingesetzt. Und sie ist kein besonderes Merkmal des Islams. Patriarchale Weltbilder, auf der derartig frauenfeindliche Gewalt basiert, kommen in allen drei Weltreligionen vor und sind auch darüber hinaus wirkungsmächtig. Die Brutalität des IS hat jedoch eine extreme und für uns nach wie vor unfassbare Dimension erreicht.

Als Frauen können und wollen wir dazu nicht schweigen! Wir als Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. arbeiten seit unserer Gründung 2006 zu Traumatisierung durch Krieg und Flucht, zu kulturell und religiös begründeter Gewalt an Frauen und ihre eigentlichen Ursachen sowie gegen sexistische und patriarchale Weltbilder und Systeme. Viele unserer Mitfrauen haben ihre Wurzeln im Mittleren Osten und sind durch die Angriffe der IS direkt über dort lebende Familie und Freunde betroffen. Aus diesen Gründen sehen wir uns in der Verantwortung, unser möglichstes zu tun, um von hier aus die Situation der Frauen vor Ort im Irak zu verändern.

   

Wir fordern: Humanitäre Hilfe für die geflohenen Frauen und Kinder! Die Entwicklung und den Aufbau langfristiger Projekte um für Frauen, Mädchen und Kinder eine (Über-) Lebensperspektive zu schaffen!

Es braucht akute und langfristige Hilfen, die das Überleben der geflohenen Frauen und Kinder und ebenso derjenigen, die aus den Händen des IS entkommen konnten, sichern und darüber hinaus Lebensperspektiven schaffen, Traumata und Stigmatisierung überwinden und eine Grundlage schaffen, gemeinschaftliches Zusammenleben in der Region auch in Zukunft möglich zu machen!

Auch im ezidischen Kulturkreis sind Frauen, die Vergewaltigungen und anderer sexueller Gewalt ausgesetzt waren, damit konfrontiert, dass ihnen anstelle eines Schutzraumes die Ausgrenzung aus dieser Gemeinschaft droht. Das Oberhaupt der Eziden in der BRD verkündete kürzlich, dass die Frauen, die sich aus der Gewalt des IS befreien konnten „haram“ seien (im Sinne von unerwünscht oder verpönt). Die betroffenen Frauen sind so einer doppelten Verfolgung ausgesetzt und werden entweder umgebracht oder dazu gebracht, sich selber umzubringen. Es braucht umfassender Aufklärung und Auseinandersetzungen, um diese rückschrittliche Sichtweise zu verändern und den Frauen und Mädchen eine Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Hier in der BRD arbeiten wir bereits seit langem insbesondere in ezidischen, alevitischen und muslimischen Gemeinden daran, über Themen wie Brautgeld, Zwangsheiraten und Ehrenmorde diese patriarchale Logik zu durchbrechen. Wir möchten nun aufgrund der akuten Situation im Irak ein Teil unserer Aktivitäten in Form von Projekten, die es nun gemeinsam mit den Menschen im Irak zu entwickeln gilt, ausweiten.

Stoppt den Feminizid! Frauen vereint Euch gegen die frauenfeindlichen Angriffe der Terrorgruppe IS und die systematische Tötung von Frauen weltweit!

Sei es als Kriegsmittel, sei es als selektive Tötung ungeborener Mädchen, sei es zur Erhaltung der unterdrückten Position von Frauen in Gesellschaft und Familie oder als politische Antwort auf ihr Aufbegehren - es gibt weltweit unzählige Beispiele dafür, wie z.B. auch Boko Haram in Nigeria, in Afghanistan und anderswo, dass Frauen auf der Grundlage patriarchaler Macht, mit der Frauen wie Eigentum besessen und benutzt werden, systematischer Gewalt und Massakern ausgesetzt sind. Diese übersteigen das Ausmaß von Genoziden um ein Vielfaches, jedoch werden als solcher kaum benannt. Feminizid bezeichnet deshalb in Anlehnung an den Begriff des Genozides die systematische Vernichtung von Frauen auf Grund ihres Geschlechtes und meint damit die gezielte Tötung ebenso wie physische und mentale Gewalt.

Frauensolidarität

Für uns ist die Kampagne „Die Freiheit der Frauen in Şengal ist die Freiheit der Menschheit“ ein Teil von Frauensolidarität, die wir als Frauen und somit auch als Betroffene praktisch werden lassen wollen. Teil dieser Kampagne ist es nun vor allem, Hilfe zu leisten in Form von Spendensammlungen, um den geflohenen Frauen und Mädchen unmittelbar ein Überleben möglich zu machen. Der Winter naht und an eine Rückkehr in die Region ist zurzeit nicht zu denken. Die Angriffe des IS dauern an.

Unserer Beitrag als Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. in dieser Kampagne wird es sein, langfristige Hilfsprojekte für die betroffenen Frauen vor Ort zu entwickeln und umzusetzen. Diesbezüglich wird es zeitnah weitere Informationen von unserer Seite geben.

Andere an der Kampagne beteiligte Frauenorganisationen werden Delegationsreisen mit Fachkräften wie z.B. Ärztinnen, Psychologinnen und Menschenrechtlerinnen aber auch mit anderen Interessierten organisieren, um u.a. in der Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen und anderen Strukturen vor Ort den konkreten Hilfebedarf der Flüchtlingsfrauen und Kinder zu klären, weitere Informationen über die Situation und Handlungsmöglichkeiten zu sammeln, um damit u.a. fundierte Öffentlichkeitsarbeit leisten zu können. Auf Basis dieser Informationen und im Austausch mit den regionalen Frauen- und Hilfsorganisationen werden Hilfeprojekte konzipiert und in einer langfristigen Kooperationen aufgebaut.

Darüber hinaus werden hierzulande Veranstaltungen und Konferenzen auf lokaler aber auch internationaler Ebene organisiert, um breit über die Situation der Frauen und Kinder und über Handlungsmöglichkeiten zu informieren und auch um mit dem Fachpublikum und den anderen TeilnehmerInnen weitere Perspektiven zu entwickeln und mit politischen Forderungen in die Öffentlichkeit treten zu können.

Die Spenden für die Akuthilfen für die geflüchteten Frauen und Kinder im Irak gehen auf folgendes gemeinsames Kampagnenkonto und werden koordiniert von Ceni - Kurdisches Frauenbüro für Frieden und dem Rat der ezidischen Frauen:

Kennwort: "Spenden für Sengal"
IBAN: DE14 3005 0110 1004 4397 15
BIC: DUSSDEDDXXX

 

STOPPT DEN KRIEG GEGEN FRAUEN!
STOPPT DEN FEMINIZID!

 

 

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