Jahresbericht 2016

Seit ihrer Gründung im Jahre 2006 bis heute ist ein Schwerpunkt der Arbeiten der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA die sozialpsychologische und strukturelle Beratung für Frauen,

die von besonderen gesellschaftlichen Problemlagen wie Folter, Flucht und Krieg sowie geschlechtsspezifischer und familiärer Gewalt betroffen sind.

Strukturelle, staatliche oder in Kriegen erlebte Gewalt und das Verdrängen der erlebten Ohnmacht darin führt häufig auch zu einem Anstieg der Gewalt innerhalb der Familie. Gewalt die immer grausamer auch in den sozialen Medien verbreitet wird, beeinflusst ebenso Frauen, Jugendliche und Kinder.

Die Morde an Frauen, die in letzter Zeit in Europa und auch in Deutschland öffentlich geworden sind, haben uns zugleich auch die verborgenen gesellschaftliche Abgründe in ihrer Tiefe sichtbar gemacht. Alle, die schweigen, die nicht hinsehen oder nicht sehen wollen, die die Gewalt verharmlosen, sei es in den ethnischen Gemeinschaften, in der Nachbarschaft oder in der Familie – sie tragen Mitverantwortung, wen Gewalt zum Tode führt. Um dem zu entgegnen ist Sensibilität und eine deutliche Haltung gegen Gewalt genauso für Frauen wie auch für Männer eine der wichtigsten alltäglichen Aufgaben.

Schweigen kann für Frauen tödlich sein! Die beste Strategie um das Schweigen zu brechen ist sich zu organisieren, sich gegenseitig zu stärken, solidarisch zu sein und die Dinge sichtbar zu machen. Frauen gehören bis heute ihren Clans, ihrer Familie, ihrem Vater, ihrem Mann und ihrer Gesellschaft, aber nicht sich selbst. Jedoch nur in Eigenständigkeit können Frauen patriarchale Denkweisen und Systeme überwinden. Egal wo und von wem Gewalt ausgeht, Nur wenn wir als Frauen das Schweigen brechen und unsere Haltung gegen Gewalt verdeutlichen werden wir sie eindämmen können. Wir sollten nicht vergessen sondern daran Glauben, dass wir als Frauen gemeinsam stark sind und das gemeinsam schaffen können!

 

Als Frauenbegegnungsstätte UTAMARA ist uns bewusst, dass allein durch Beratungsstellen und deren Hilfsangebote für Frauen, Patriarchale Denkweisen und Paradigmen wie Rassismus, Nationalismus und Sexismus nicht überwunden werden können. Wirkliche Schritte können mit gesellschaftlichem Bewusstein und daraus erwachsener Veränderungen entstehen. Dafür braucht es Aufklärungs- und Bildungsangebote die insbesondere die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem und strukturellem Sexismus fördern.

2016 hat die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA deshalb in verschiedenen Projekten, Seminaren und Veranstaltungen zu Themen wie Gewalt in der Familie und der ethnischen Gemeinschaft, geschlechtsspezifische Gewaltformen wie Brautgeld, Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Heirat von Minderjährigen informiert, sensibilisiert und versucht Lösungswege aufzuzeigen. Ca. 750 Frauen haben an unseren Projekten, Seminaren und Veranstaltungen teilgenommen:

 

Dazu gehörte das Projekt: Gemeinsam sagen wir NEIN zu Brautgeld, Zwangsheirat und Ehrenmorden. Das von der Aktion Mensch geförderte Projekt wurde 2016 abgeschlossen. In zwei Projektjahren wurden bundesweit in über 45 Vereinen und religiösen Gemeinden ein umfangreiches muttersprachliches Aufklärungs- und Sensibilisierungsangebot für Frauen sowie ihr familiäres und gesellschaftliches Umfeld durchgeführt. Im Zeitraum vom 07.03.2014 bis zum 06.03.2016 haben an insgesamt 82 Veranstaltungen 1811 Frauen und Männer teilgenommen.

 

In unserem Modellprojekt Frauen stärken Demokratie!“ arbeiteten wir 2016 mit 4 Moschee-Gemeinden und 4 Alevitischen Gebetshäusern zusammen. Gemeinsam führten wir in Wuppertal, Hagen, Essen, Alzey, Dortmund und Leverkusen 11 Gesprächsrunden durch. An diesen Gesprächsrunden sowie an 3 Wochenendtrainings für Multiplikatorinnen und einem Wochenende für Mütter mit Kindern haben 145 Frauen teilgenommen. Insgesamt 36 junge Frauen haben an 2 Bildungswochen jeweils in den Oster- und Herbstferien teilgenommen.

 

In den Sommerferien haben 12 Kinder aus verschiedenen Städten 3 Tage ohne ihr Eltern . Bei verschiedenen Freizeitaktivitäten haben sie gemeinsam neue Interessen und Freundschaften entwickelt. An unserer einwöchigen Sommerfreizeit haben 2016 insgesamt 43 Mütter und Kinder teilgenommen und bei Workshops und Aktivitäten an ihrer gemeinsamen Stressbewältigung und Entspannung gearbeitet.

Ebenso im Sommer feierten Mitfrauen, Unterstützer und Freundinnen der Frauenbegegnungsstätte gemeinsam im Tagungshaus und Garten ihr 10-jähriges Jubiläum und würdigten bei einem Kultur-Programm mit Musik und Tanz, die Erfolge der bisherigen Arbeiten und Projekte.

 

In Erinnerung an die verstorbenen Internationalistinnen Uta und Amara besuchte das Team von UTAMARA zum 11. Todestag am 31.05. das Grab von Uta.

Gemeinsam mit Flüchtlingsfrauen aus Ludwigshafen haben wir das Projekt Frauenzeit 2016“ durchgeführt. 11 Flüchtlingsfrauen und 17 Kinder haben ihre Herbstferien bei einem abwechslungsreichen Programm zum Thema bei UTAMARA verbracht.

 

2016 war die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA Trägerin für 5 vom BAMF geförderten Niederschwelligen Frauenkurse.

Darüber hinaus nutzten verschiedene Frauengruppen und Organisationen die Räumlichkeiten der Frauenbegegnungsstätte für eigene Veranstaltungen oder nahmen Angebotene Seminare und Workshops zu Themen wie z.B. Patriarchat, Gesellschaftlicher Sexismus und Gewalt gegen Frauen; Trauma durch Flucht, Folter und Krieg; Frauengeschichte, -bewusstsein und -identität; Demokratische Familie und geschlechtergerechte Beziehungen, Frauensolidarität, Organisierung, Öffentlichkeitsarbeit und Jineoloji.

 

Im August 2016 haben wir zum Thema: Demokratische Familie und geschlechtergerechte Beziehungen ein Seminar für Männer durchgeführt.

 

Auf Grund von Gewalt in engen sozialen Beziehungen im besonderen familiärer Gewalt haben sich im Jahr 2016 22 Frauen mit der Bitte um Unterstützung an die telefonische Beratung für Migrantinnen gewandt. Für Flüchtlingsfamilien in der Region bieten wir seit ca. zwei Jahren ebenso Übersetzungshilfen im Schwerpunkt für Frauen und Familien an, die z.T. von Einzelnen Familien, ehrenamtlichen Pat*innen sowie Behörden z.B. durch das Jugendamt regelmäßig in Anspruch genommen werden.

 

Traditionell veranstaltete die Frauenbegegnungsstätte gemeinsam mit vielen anderen Frauenorganisationen und dem DGB den 8. März in Neuwied. Gemeinsam mit dem Runden Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehung beteiligten wir uns an 3 Ständen zum 25. November dem Tag gegen Gewalt gegen Frauen in Neuwied, in Linz und Asbach.

Insgesamt wurden 2016 auf verschiedenen Kulturfesten und Veranstaltungen an 8 Informations-Stände über die Arbeiten und Projekte der Frauenbegegnungsstätte informiert und dafür Spenden gesammelt.

 

 

 

 

 

Planung:

 

2016 sind einige besonders grausame Fälle von Gewalt gegen Frauen in die Öffentlichkeit geraten, die uns immer wieder vor Augen führen, wie Notwendig es ist Frauen dazu zu motivieren frühzeitig Hilfs- und Unterstützungsangebote anzunehmen. Frauen entscheiden sich immer noch eher dazu Gewalt auszuhalten, weil sie z.B. befürchten das, wenn sie sich als Frau „gegen die patriarchale Tradition“ stellt und sich an Beratungseinrichtungen oder Frauenhäuser wendet, sich ihre Familien zur Wiederherstellung der Ehre gegenseitig töten würden. Auch deshalb sehen wir immer noch und umso dringender, die Notwendigkeit weitreichende Aufklärungs- und Sensibilisierungsangebote zu Gewalt gegen Frauen und Möglichkeiten des Schutzes anzubieten. Es bleibt vorrangiges Ziel der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA durch Bildung und Frauensolidarität und Frauenorganisierung gesellschaftlichen Sexismus und jegliche Formen von Gewalt gegen Frauen zu überwinden.

FRAUENWELTEN - Interkulturelles Erzähl- und Themencafé

Aktuelle Veranstaltungen

Aktuelle Termine finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite (@UTAMARA.06)

 

15.06.2019 13:00-17:00 Uhr Kinderfest Regenbogen der Kulturen in Linz (Rhein)

19.07.2019 - 21.07.2019 Sommerfreitzeit für Kinder von 7- 13 J.

26.07.2019 - 01.08.2019 Mutter-Kind-Sommerfreizeit

 

... für mehr Infos und Anmeldungen rufen Sie uns einfach an (02644-602424)

Gewalt ist kein Schicksal

 Gewalt ist kein Schicksal

NEIN zu Brautgeld!

Jede Frau hat eine Geschichte