Kinder legen Zeugnis ab

Häusliche Gewalt ist seit in Kraft treten des Gewaltschutzgesetzes (GewSchG) im Januar 2002 als Soziales Problem in Deutschland...

Literaturliste:

Kinder legen Zeugnis ab

- Philomena Strasser

 

Zitat

Die Autorin Philomena Strasser nähert sich dem Thema "Gewalt gegen Frauen" aus einer neuen, bisher weitgehend ignorierten Perspektive: Im Mittelpunkt ihrer Überlegungen steht das Leiden der Kinder unter einer gewalttätigen Dynamik innerhalb der Familie, ihre seelischen und auch körperlichen Traumatisierungen durch Gewalt gegen ihre Mütter. Mit Blick auf die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe patriarchaler Familiengewalt und bürgerlicher Familienideologie plädiert die Autorin dafür, familiäre Gewalt gegen Frauen und Kinder gesellschaftlich ernster zu nehmen, und insbesondere die problematische Rolle hilfloser Kinder und Jugendlicher zu beachten.
Barbara Kavemann, Ulrike Kreyssig (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt

 

Barbara Kavemann, Ulrike Kreyssig (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt. (Wiesbaden) 2005. 475 Seiten. ISBN 978-3-531-14429-0. 39,90 EUR.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-531-15377-3 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

 

 

Thema

Häusliche Gewalt ist seit in Kraft treten des Gewaltschutzgesetzes (GewSchG) im Januar 2002 als Soziales Problem in Deutschland (zumindest rechtlich) anerkannt und hat durch die wegweisende Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zur "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" (Schröttle/Müller 2004) auch eine wissenschaftlich fundierte Grundlage. Die immer wieder zitierte Kernaussage aus dieser Untersuchung ist, dass jede vierte in Deutschland lebende Frau seit ihrem 16. Lebensjahr mindestens einmal Gewalt durch einen männlichen Beziehungspartner, davon zwei Drittel mehr als einmal, erlebt hat. Das besonders Zerstörerische an dieser Form menschlichen Miteinanders ist, dass die Gewalt überwiegend genau dort stattfindet, wo nach allgemeiner Ansicht ein Mensch vom Alltag und der Welt ausruhen sollte - im eigenen Zuhause. Nicht erst durch die Untersuchung des BMFSFJ wird zur Gewissheit, dass kein Ort auf der Welt gefährlicher ist, als der häusliche Bereich. Diese Erkenntnis gilt in der Regel für Frauen, da ebenfalls durch die Untersuchung deutlich wurde, dass zwar auch Männer Opfer häuslicher Gewalt werden können, aber die zahlenmäßige Überlegenheit sich für Frauen als Betroffene ergibt. Und nicht nur Frauen sind betroffen sondern auch die im Haushalt lebenden Kinder. Die Kinder hören, was geschieht, sie sehen die Gewaltausübung, in der Regel sehen sie die Mutter als Opfer häuslicher Gewalt und geraten oft selbst in die Auseinandersetzung mit hinein.

Das im Laufe kürzester Zeit expandierende Schrifttum zum Thema häusliche Gewalt hat relativ schnell seinen Focus über die von Gewalt betroffenen Frauen hinaus zu den mit im Haushalt lebenden Kindern erweitert. Die Zahlen aus der Studie des BMFSFJ konnten das Schicksal betroffener Kinder auch allen Ernstes nicht länger ausblenden.

Kinder sind "stumme Zeugen" häuslicher Gewalt. Kinder, die in einem Milieu von Gewalt, Misshandlung, psychischer Not und seelischen Leidens aufwachsen, geben in vielen Fällen ihre Erfahrungen weiter; erst im Kindergarten, dann in der Schule und später als potentielle Täter bzw. Opfer in ihren eigenen Beziehungen und an ihre eigenen Kinder. Die intergenerationale Weitergabe von Gewalterfahrungen ist mittlerweile anerkannt.

Von daher ist es ein großer Verdienst der Herausgeberinnen des Handbuches Kinder und häusliche Gewalt, dass sie sich dieser bisher doch eher vernachlässigten Opfergruppe häuslicher Gewalt angenommen und die Arbeiten der letzten Jahre aus Forschung und Praxis zu den Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf Kinder und Unterstützungsmöglichkeiten für diese Zielgruppe zusammengetragen haben.

Entstehungshintergrund

Das Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes (GewSchG) am 1. 1. 2002 setzt einen vorläufigen Schlusspunkt um ein jahrzehntelanges Ringen um die Anerkennung häuslicher Gewalt als Menschenrechtsverletzung. Häusliche Gewalt ist nicht länger eine private Angelegenheit, sondern findet ihre öffentliche Missbilligung nicht zuletzt in den rechtlichen Regelungsmöglichkeiten. Die Bundesregierung hat sich lange schwer mit der öffentlichen Missbilligung häuslicher Gewalt getan, dann aber gleich noch am 12. 04. 2002 das Kinderrechteverbesserungsgesetz in Kraft gesetzt. So ist der Schutz für Kinder im Rahmen häuslicher Gewalt präzisiert und erhöht worden. Seit dem ist eine Fülle an Publikationen zu dem Thema Kinder und häusliche Gewalt entstanden, die aufgrund der bemerkenswerten Interdisziplinarität dieses Themas in allerlei Schriften, Vortragsmanuskripten, etc. verstreut waren. Die beiden Herausgeberinnen haben keine Mühe gescheut, eine Zusammenschau des aktuellen Schrifttums zu erstellen, Autoren und Autorinnen zu gewinnen und die Publikationen in diesem Handbuch zu bündeln. Den in der Regel mit von häuslicher Gewalt betroffenen Kindern kann so durch die Erkenntnisse der Forschung und Praxis die Unterstützung zu teil werden, die sie als Mitbetroffene häuslicher Gewalt benötigen bzw. die sie im Rahmen effektiver Prävention vor Nachteilen bewahren.

Aufbau

Das Handbuch als Zusammenschau zum Thema Kinder und häusliche Gewalt ist in sieben Kapiteln mit weiter bestehenden Problembereichen untergliedert. Jedes dieser sieben Kapitel beinhaltet so elementare und wesentliche Aspekte für die Arbeit in diesem Problemfeld und beleuchtet so umfassend den Stand der wissenschaftlichen Diskussion, dass hier nur Schwerpunkte aus den einzelnen Kapiteln wiedergegeben werden können. Dabei sind die Beiträge zu den Zusammenhängen zwischen Gewalt gegen Frauen und Gewalt gegen Kinder (Kapitel I) als Grundlagenkapitel ausführlicher unter die Lupe genommen worden.

I Zusammenhänge zwischen Gewalt gegen Frauen und Gewalt gegen Kinder - Der Blick in die Forschung

In diesem ersten Kapitel sind sieben Aufsätze namhafter ForscherInnen aus ihren Themengebieten zu finden.

  1. Barbara Kavemann wirft einen Blick in die Ergebnisse neuerer deutscher Untersuchungen, die allesamt eindrücklich belegen, dass es sich bei häuslicher Gewalt um ein an Häufigkeit nicht zu überbietendes soziales Problem handelt. Wer eine profunde Datenbasis benötigt, hat hier genau die richtige Quelle. Hervorzuheben ist, dass Kavemann bereits in ihrer Einleitung darauf hinweist, dass häusliche Gewalt nicht nur eine einseitige Opfer-Täter-Konstellation beinhaltet, sondern ein Geschlechterproblem generell ist, wobei die Forschungslage zu Männern als Opfern häuslicher Gewalt erst am Anfang steht. Sehr aufmerksam zu lesen sind ihre Ausführungen zur Entwicklung der Haltung von Jugendämtern hinsichtlich des Themas häusliche Gewalt. Während nach Kavemann das Thema mittlerweile in den Jugendämtern angekommen zu sein scheint, wird es dort doch nach wie vor sehr getrennt behandelt, was sich besonders an der Haltung zum Umgangrecht nachzeichnen lässt. Hier wird deutlich, dass wir bei der Diskussion um häusliche Gewalt zwar schon viel gewonnen haben, aber noch längst nicht alles erreicht ist.
  2. Heinz Kindler gibt einen Forschungsüberblick über die Auswirkungen von Partnergewalt auf die kindliche Entwicklung und stellt eine mittlerweile gut entwickelte Befundlage dar, die insgesamt bedeutsame Beeinträchtigungen in wichtigen Entwicklungsbereichen von Kindern konstatiert.
  3. Der Traumatisierung von Kindern durch Gewalt gegen die Mutter widmet sich Philomena Strasser, die eine von ihr durchgeführte Studie mit Kindern und Müttern aus österreichischen Frauenhäusern vorstellt und so den Kindern misshandelter Mütter eine Sprache gegeben hat. Dies ist ihr mit den exemplarisch dargestellten Interviewtexten über das traumatische Erleben von Kindern als ZeugInnen häuslicher Gewalt gegen ihre Mütter sehr eindrucksvoll gelungen.
  4. Susanne Heynen analysiert in ihrem Beitrag die Folgen für Mütter und Kinder, welche durch Zeugung aus einer Vergewaltigung hervorgegangen sind. Sie zeigt die multiple Problemlage für die Frau und die sich entwickelnde Mutter-Kind-Beziehung auf und zieht Schlussfolgerungen für den psychosozialen und medizinischen Umgang mit den Betroffenen. Hier zeigt sich eine besondere und bislang noch recht vernachlässigte Facette des Themengebietes häusliche Gewalt, und es kann nicht hoch genug geschätzt werden, dass sich dieses Handbuch des Themas "Zeugung aus einer Vergewaltigung" widmet.
  5. Einen weiteren Blick in das europäische Ausland gewährt Maria Eriksson aus Schweden, die über professionelle Ansätze in der Arbeit mit Kindern gewalttätiger Väter in Schweden referiert. Sie widmet sich dem Spannungsfeld der Umgangsregelung, in dem die FamilienrechtshelferInnen in Schweden die Sicherheit und den Schutz für die Kinder auf der einen Seite sehen und dem Bedürfnis der Kinder nach beiden Elternteilen nach Trennung bzw. Scheidung auf der anderen Seite Rechnung zu tragen haben. Ein sehr interessant nachzulesender Perspektivenwechsel lässt die Frage nach den Prioritäten überflüssig erscheinen.
  6. Hildegard Hellbernd und Petra Brzank greifen das Problem der häuslichen Gewalt im Kontext von Schwangerschaft und Geburt für die Arbeit von Gesundheitsfachkräften auf und Fragen nach Interventions- und Präventionsmöglichkeiten. Sie stellen unter anderem das S.I.G.N.A.L.-Projekt vor, ein Interventionsprojekt an der Charité Campus Benjamin Franklin, in dem die Befragung von 806 Patientinnen der Ersten Hilfe Abteilung zu Gewalt während der Schwangerschaft und zu gesundheitlichen Auswirkungen wertvolle Erkenntnisse für eine optimale Arbeit von Gesundheitsfachkräften bei Prävention und Intervention von Gewalt durch den Partner während der Schwangerschaft lieferte.
  7. Corinna Seith von der Universität Zürich widmet sich in ihrem Beitrag "zur Rolle von Schule und Verwandten für von häuslicher Gewalt betroffenen Kinder aus der Sicht von 9 bis 17 Jährigen" gerade dieser Zielgruppe der Jugendlichen. Sie verweist darauf, dass die Sichtweisen der allgemeinen Population von Kindern und Jugendlichen zu den Diskursen über häusliche Gewalt bislang völlig vernachlässigt wurden. So wurde eine Untersuchung mit dem Titel "Häusliche Gewalt aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen" in Auftrag gegeben und von ihr mit sehr lesenswerten Ergebnissen durchgeführt. Dabei sind nicht nur betroffene Kinder und Jugendliche zu Wort gekommen, sondern die Vorstellungen von 1400 SchülerInnen im Alter zwischen 9 und 17 Jahren erfasst. Interessant sind die Bedenken der jungen Menschen nachzulesen, die sie mit der Thematisierung von Gewalt in der Elternbeziehung haben und die geschlechterdifferierenden Unterschiede ihrer Aussagen.

II Fortschritt und Stagnation - Ein kritischer Blick auf die (familien-)rechtlichen Rahmenbedingungen

Das erste Kapitel hat die Weichen für die weiteren Ausführungen gestellt. So ist das zweite Kapitel ganz den (familien-)rechtlichen Rahmenbedingungen gewidmet.

  • Der Beitrag zum rechtlichen Schutz für Kinder von häuslicher Gewalt (Heike Raabe) legt seinen Schwerpunkt auf das Sorge- und Umgangsrecht und verklammert das Gewaltschutzgesetz mit dem Kindeswohl und den Aufgaben der Jugendhilfe in diesem Kontext.
  • Als Anwältin des Kindes erweist sich Maud Zittelmann in ihrem Beitrag zum Kindeswohl und zu den Kinderrechten in Gerichtsverfahren bei häuslicher Gewalt und unterstreicht die Bedeutung, den Blick auf das individuelle Kind und seine eigenen Erfahrungen zu richten.
  • Dieser Beitrag wird ergänzt von dem Beitrag von Jörg M. Fegert zur Frage des Kindeswohls nach der Trennung der Eltern in Fällen häuslicher Gewalt aus kinderpsychiatrischer Sicht, in dem für eine sehr differenzierte und behutsame Betrachtung des Kindeswohls plädiert wird. Dieser Beitrag sollte zur Pflichtlektüre für alle Berufsgruppen werden, die mit dem Thema Kindeswohl professionell zu tun haben!
  • Also auch für die Jugendhilfe, der sich der nachfolgende Beitrag von Luise Hartwig widmet und den Auftrag und die Handlungsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt aus dieser Perspektive darstellt.
  • Angereichert wird dieses zweite Kapitel mit einem Blick in unser Nachbarland Österreich von Rosa Logar; Österreich hat besonders lange schon Erfahrungen mit dem Gewaltschutzgesetz und ist Vorreiter für das bundesdeutsche Modell gewesen. Von daher sind die Erfahrungen aus Österreich mit der "Kinderverträglichkeit" des österreichischen Gewaltschutzsystems besonders interessant!

III - V Berichte über die praktische Arbeit

Die weiteren Kapitel III "Herausforderungen an die soziale und pädagogische Arbeit", IV "Unterstützung für Mädchen und Jungen bei häuslicher Gewalt" und V "Modelle der Unterstützung für Mütter bei häuslicher Gewalt" können hier des Umfanges halber nur exemplarisch besprochen werden. Sie stellen insgesamt 18 Berichte für die praktische Arbeit in diesem Themenfeld zur Verfügung und einer liest sich interessanter als der andere! Es geht um die polizeilichen Interventionen und die Beachtung der Kinder bei polizeilicher Gefahrenabwehr, die praktische Arbeit im Frauenhaus, wenn Kinder und eben auch männliche Jugendliche, auch mit Migrationshintergrund, dort leben, um verschiedene Methoden und therapeutische Arbeitsansätze in der Arbeit mit Kindern und um praktische Erfahrungen aus europäischen Nachbarländern. Hier zeigt sich besonders eindrucksvoll, dass das Buch seiner Bezeichnung als "Handbuch" vollauf gerecht wird! Den vielen Praktikern und Praktikerinnen ist Respekt zu zollen, dass sie ihre Erfahrungen hier zu Diskussion stellen und andere Einrichtungen auf ihren Erfahrungen aufbauen können!

VI Die Folgen für die Kinder als Thema in der Täterarbeit

Dieses Kapitel verdient eine eigene Erwähnung, denn es setzt sich mit einer noch sehr unterrepräsentierten Perspektive des gesamten Themenkomplexes "Häusliche Gewalt" auseinander, der Täterarbeit. Der Faktor der Unterrepräsentation zeigt sich deutlich daran, dass es hier lediglich zwei Beiträge zu diesem spannenden Gebiet gibt, von jeweils zwei männlichen Autorenteams.

  1. Hainbach und Liel, Leiter bzw. Mitarbeiter des Münchener Informationszentrums für Männer e. V. berichten aus ihrer Arbeit mit Tätern häuslicher Gewalt zum Thema "Väterverantwortung" und weisen dieses Thema als ein noch wenig beachtetes Thema der gewaltzentrierten Trainingsprogramme aus. Die Autoren stellen am Beispiel des Münchener Informationszentrums für Männer die dort angebotenen Täterprogramme gegen Partnerschaftsgewalt vor und entwickeln Ideen und Ziele zur Umsetzung spezialisierter Väterprogramme. Die Notwendigkeit ergibt sich daraus, dass gerade gewalttätige Väter in konfliktgeladenen Trennungssituationen öffentlich auffällig werden und häufig eine besondere Bedrohung für die Frauen und Kinder darstellen. Sehr lesenswert sind dabei die Ausführungen zur "Täterlogik", die den gewalttätigen Männern dient, die Schädigung der Kinder durch die eigene Gewalt auszublenden.
  2. Beckmann und Hafner, Wissenschaftler und Praktiker in der geschlechterdifferenten (Jungenarbeit) und offenen Jugendarbeit der erst genannte, Psychologe bei der Beratung für Männer - gegen Gewalt der zweite, dokumentieren eine Evaluation von sozialen Trainingskursen in Deutschland und internationalen Konzepten für Vätergruppen zum Abbau von Gewalt gegen Frauen unter dem Titel "Fathering After Violence". Die Autoren plädieren im Ergebnis für eine sehr differenzierte Herangehensweise an die Tätergruppen und ein sehr differenziertes Angebot für sie, da Männer, die häusliche Gewalt anwenden, eben keine homogene Gruppe darstellen, sondern sich durch sehr verschiedene Faktoren auszeichnen.

VII Konsequenzen und Perspektiven

Im siebten Kapitel werden Konsequenzen gezogen und Perspektiven entwickelt.

  • Norbert Struck bietet Konsequenzen für die Jugendhilfe an.
  • Heinz Kindler und Adelheid Unterstaller haben ein entwicklungsökologisches Modell für die primäre Prävention von Partnergewalt entwickelt.
  • Birgit Schweikert zieht Entwicklungen und Konsequenzen aus dem Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und stellt seine Auswirkungen auf die Thematik der häuslichen Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder dar. Dies ist eine gelungene Abrundung, welche die Vernetzung des Bundes und der Länder in diesem Kontext aufzeigt und demonstriert, dass über jegliche politischen und Landesgrenzen hinweg die Bekämpfung von häuslicher Gewalt ein gesamtgesellschaftliches und europäisches Anliegen ist und die mit betroffenen Kindern über die Grenzen hinaus allen am Herzen liegen.

Zielgruppen

Der Sammelband zeichnet sich durch seine interdisziplinären Beiträge aus vielen Fachwissenschaften aus - und genauso umfassend kann die Zielgruppe bezeichnet werden, an die sich das Werk richtet. Es sind in erster Linie Praktiker und Praktikerinnen, die von den Erkenntnissen aus der Forschung und der Auswertung von Erfahrungsberichten profitieren und ihre eigene Arbeit reflektieren können als da wären SozialarbeiterInnen in beratenden und helfenden Einrichtungen sowohl für Männer als auch für Frauen und Kinder, FamilienrichterInnen, die im Rahmen des Umgangrechtes und der Entscheidungen zum GewSchG tätig sind, Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen, die im Bereich des Familienrechts und als Opferanwalt tätig sind, aber auch therapeutisch tätige PsychologInnen sowie Mediziner, die Frauen und Kinder als Opfer häuslicher Gewalt in ihren Praxen antreffen. Für Polizeibeamte und Polzeibeamtinnen dient das Handbuch ebenso als wichtiges Nachschlagewerk in ihrer Arbeit mit dem GewSchG wie allen genannten Disziplinen für ihre Ausbildung, Studium und weitere Forschungstätigkeit.

Einschätzung der Tauglichkeit, Lesbarkeit, Nützlichkeit

Das Handbuch Kinder und häusliche Gewalt liest sich ausgesprochen gut und praxisorientiert, ohne seinen wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren. Es stellt mit seinen facettenreichen Beiträgen ein nützliches Nachschlagewerk zum aktuellen Stand der Diskussion um Kinder und häusliche Gewalt dar und liefert sehr anschaulich eine breite Palette von Projekten und Methoden, um präventiv und nachsorgend mit den Kindern misshandelter Mütter arbeiten zu können. Besonders hervorzuheben ist, dass die AutorInnen den geschlechterdifferenten Aspekten Rechnung getragen haben.

Fazit

Dieses Handbuch ist ein Meilenstein zum Thema Kinder und häusliche Gewalt und sollte in keiner Bibliothek, in keinem Büro fehlen, in dem sich mit diesem Kontext beschäftigt wird! Es bietet mit seinen Aufsätzen und Berichten hervorragendes Material für die Arbeit, den Kreislauf der Gewalt zu unterbrechen und gerade Kindern als "stumme Zeugen" häuslicher Gewalt und den involvierten Institutionen einen Ausweg aus der intergenerationalen Weitergabe von Gewalterfahrungen zu zeigen.

Das Handbuch darf als Meilenstein aber nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu weiterer Bearbeitung dieses Problemfeldes sein, denn es zeigt auf, welche Bereiche zum Thema Kinder und häusliche Gewalt noch weiterer Forschung und praktischer Erprobung bedürfen. Vergegenwärtigen wir uns die Zahlen der vielen jungen Menschen, die gewaltbelastet aufwachsen, versteht sich dieses Anliegen von selbst.

 

Rezensentin
Prof. Dr. jur. Ute Ingrid Haas
Professur für Kriminologie und Viktimologie, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Fakutltät Soziale Arbeit - Institut für angewandt Rechts- und Sozialforschung -
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/fbs/not_in_menu/personenhaas ...
E-Mail Mailformular

 

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.

 

Zitiervorschlag
Ute Ingrid Haas. Rezension vom 21.03.2007 zu: Barbara Kavemann, Ulrike Kreyssig (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 475 Seiten. ISBN 978-3-531-14429-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2638.php, Datum des Zugriffs 07.06.2012.

 

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

 

socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

 

NEIN zu Brautgeld!

Gewalt ist kein Schicksal

 Gewalt ist kein Schicksal

Jede Frau hat eine Geschichte