Samstag, Dezember 16, 2017
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Seit dem 07.03.2014 führen wir Seminar- und Aufklärungsangebote im Rahmen des zweijährigen Projektes „Gemeinsam sagen wir: NEIN zu Brautgeld, Zwangsheirat und Ehrenmorden! durch. Wir wollen unser Anliegen, das Projekt und deren Ziele kurz vorstellen:

Anliegen

Trotz umfangreicher Bemühungen, Gewalt gegen Frauen - insbesondere in engen sozialen Beziehungen – zu bekämpfen, hat sich das Ausmaß dieser Gewalt in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Im Gegenteil – laut der aktuellen Statistik des BKAs wurden allein im Jahr 2011 in Deutschland 313 Frauen durch ihre Partner bzw. Ex-Partner ermordet. Im Zeitraum von 2000 bis 2009 wurden 90 muslimische Frauen und Mädchen in Deutschland Opfer von s.g. "Ehrenmorden". Die Tendenz ist steigend und die Dunkelziffer sehr hoch. Für die Morde an Frauen werden in unserer Gesellschaft immer wieder religiöse, kulturelle oder soziale Erklärungen (wie z.B. aufgrund der Ehre, aus Leidenschaft, aufgrund von Eifersucht, Ehre, eines Familiendramas, etc.) herbeigezogen, die jedoch eine Straftat aufgrund einer patriarchalen Mentalität nicht legitimieren können. Am 4. Juni 2012 sorgte die brutale Ermordung der Kurdin Semanur Subay in Berlin/ Kreuzberg vor den Augen ihrer sechs Kinder, der Polizei und der Nachbarschaft, wobei der Täter „Allah u Ehkber“ rief, für Aufsehen in den Medien. Im April 2012 wurde unter den Augen des Jugendamtes die 13-jährige Yezidin Souzan von ihrem Vater nach einem gemeinsamen Mediationsgespräch auf offener Straße erschossen. Am 8. März 2013 wurde in Düsseldorf Yüsra Sukaya von ihrem Mann, einem Mullah (studierter muslimischer Geistlicher), umgebracht. Diese Morde sind Beispiele dafür, dass es an Diskussionen zur Gewaltprävention und Maßnahmen zur Stärkung emanzipatorischer Kräfte in den Communities mangelt. Gewalt in der Familie aber auch religiöse und / oder rasstische Diskrimierungen erzeugen für die Betroffenen und deren Umfeld extreme soziale Schwierigkeiten. Die Medien der Herkunftsländer und Treffpunkte der Communities sind für viele Familien eine wichtige Quelle zum Erhalt der Muttersprache und für soziale Kontakte. Meldungen über Gewalt gegen Frauen oder s.g. Ehrenmorden werden häufig unreflektiert wahrgenommen. Deswegen ist es notwendig, muttersprachliche und interkulturelle Bildungsangebote zur Gewaltprävention maßgeblich zu verstärken. In vorherigen Projekten haben verschiedene Religionsgemeinden selbstkritisch festgestellt, dass sie als Gemeinden bisher zu wenig Initiativen gegen Brautgeld, Zwangsheirat und s.g. Ehrenmorde und für aufgeklärte ethische Werte ergriffen haben. Sie artikulierten zugleich das Bedürfnis, ein adäquates Bildungsprojekt zu organisieren.

Bei der Entwicklung von Strategien und Trainings zur Prävention von Gewalt können Multiplikatorinnen in ihrer eigenen Community aufgrund ihrer kulturellen und sprachlichen Kompetenz sehr viel erfolgreicher sein, als konventionelle Einrichtungen. Mit der Zunahme von konservativen religiösen Wertevorstellungen in den Heimatländern nimmt parallel dazu auch Gewalt in den Migratinnen Communities in Deutschland zu. Um die Gewaltspirale zu durchbrechen, ist es notwendig, die Widersprüche zwischen den ethischen Werten sowie den Religionen und Traditionen mit den Betroffenen zu diskutieren. Deshalb sehen wir die Notwendigkeit, emanzipatorische Kräfte in MigrantInnen Communities zu stärken und weiter auszubauen.

   

Zielgruppe

Zielgruppe des Projektes sind Menschen - vor allem Frauen - mit sozialen Schwierigkeiten. Insbesondere (junge) Frauen aus dem Mittleren Osten und von religiös argumentierter Gewalt wie Brautgeld, Zwangsheirat und Gewalt im Namen der "Ehre" direkt betroffene und bedrohte (junge) Frauen. Nebenzielgruppen sind das (Familien-) Umfeld der betroffenen (junge) Frauen, da auch sie häufig mit belastet bzw. selbst involviert sind. Sie können mit bewusstem Umgang zur Stabilisierung der Frauen beitragen bzw. zur Gewaltprävention motiviert werden. Ebenso sprechen wir Frauennetzwerke und Einrichtungen des Gemeinwesens, die mit der direkten Zielgruppe in Kontakt stehen und für ihre Bedürfnisse Angebote entwickeln wollen. Als Multiplikatorinnen des Projektes sollen vor allem qualifizierte Frauen mit Migrationshintergrund bei der Vermittlung von interkultureller Kompetenz an die indirekte Zielgruppe fungieren.

Vereinsvorstände und Mitglieder aus den alevitischen, muslimischen und yezidischen Gemeinden sollen zur Mitarbeit und Teilnahme an dem Projekt zur Aufhebung von Brautgeld und Zwangsheirat und Ächtung von Gewalt in engen sozialen Beziehungen motiviert werden. Den Zielen und Zielgruppen des Projekts entsprechend sollen an den Veranstaltungen insgesamt ca. 3000 Menschen teilnehmen.

Durchführung

In unseren vorherigen Aktivitäten waren die Schwerpunkte die Aufarbeitung von Traumatisierungen aufgrund von Gewalt-, Kriegs- und Migrationserfahrungen. In diesem Projekt soll der Schwerpunkt auf die Gewaltprävention insbesondere gegen Brautgeldforderungen, Zwangsheirat sowie Morde im Namen der s.g. Ehre gesetzt werden. Diese Gewaltformen sind der extremste und weitläufig praktizierte Ausdruck eines Besitzanspruchs gegenüber Frauen, die konservativen Wertevorstellungen entsprechen vielfach als "legitim" und "üblich" angesehen werden.Im Gegensatz zu dem vorherigen Angebot, in dem die Bildungsarbeit fast ausschließlich geschlechtergetrennt organisiert wurde, sind dieses Mal auch gemeinsame Plattformen des Austausches geplant. Junge Frauen und Mütter sowie junge Männer und Väter erhalten zunächst getrennt und anschließend auch gemeinsam Aufklärungsseminare. Die Auseinandersetzung mit der Thematik stärkt einerseits das (Selbst-) Bewusstsein der Frauen und die Hinterfragung von Rollenverständnissen bei Männern, andererseits soll über die öffentliche Diskussion eine Ächtung der genannten Gewaltformen bewirkt werden, so dass ein sozialer Druck in der Community aufgebaut wird, der solche Arten von Gewalt nicht mehr toleriert.

Aktivitäten

1. - Aufklärungsangebote: Geplant sind mindestens 72 Seminare und Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit alevitischen, muslimischen und yezidischen Gemeinden, gemeinsam erstellt werden. Das Seminarangebot umfasst Aufklärung, Hinterfragung und Diskussionen zu den Themen Brautgeld, s.g. Ehrenmorden und Zwangsheirat. - Inhaltlich geplant sind Sensibilisierung für die Auswirkungen und Folgen von Gewalt individuell und für die gesamte Community - Sensibilisierung für die Notwendigkeit der Präventions- und Integrationsarbeit - Diskussionen um Strukturen und Möglichkeiten wie in den Gemeinden präventiv und / oder intervenierend gearbeitet werden kann. Das Seminarangebot wird nach Möglichkeit in drei Phasen angeboten: (1) für die Frauen der jeweiligen Gemeinden, (2) für die Männer der jeweiligen Gemeinden und (2) für Frauen und Männer gemeinsam.

2. - Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Mit den Gemeinden wird eine gemeinsame Presse und Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird Kampagnenartig angelegt. Die Pressearbeit wird sowohl in der lokalen als auch überregionalen Presse organisiert sowie über die neuen Medien. Über diesen Weg erreicht die Aufklärungsarbeit nicht nur die direkten SeminarteilnehmerInnen sondern auch eine weitere Öffentlichkeit. Eine Einbeziehung der muttersprachlichen Presse der jeweiligen Migrantinnen Communities ist besonders wichtig. Erfahrungsgemäß bringt diese Form der Öffentlichkeitsarbeit weitere Initiativanfragen für weitere Seminare und Veranstaltungen mit sich.

3 - Netzwerkarbeit: Die Erfahrungen und Ergebnisse der Seminararbeiten in den Gemeinden werden in dieser Phase mit einem breiten Netzwerk geteilt. Über Projektvorstellungen findet eine Sensibilisierung für Ehrenamtliche, Fachleute, Institutionen und Einrichtungen bezüglich dieser Thematik statt. Desweiteren werden Trainingskurse zur Förderung der themenbezogenen interkulturellen Kompetenz bei Multiplikatorinnen, Fachkräften und bestehenden Einrichtungen des Gemeinwesens durchgeführt (indirekte Zielgruppe)

Förderung

Das Projekt wird unterstützt durch unsere vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und gefördert durch:

         

 

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