Projektabschlussbericht: Gewalt ist kein Schicksal

Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. hat von September 2009 bis August 2012 ein gemeinwesenorientiertes Integrationsprojekt mit dem Namen „Gewalt ist kein Schicksal - Gemeinsam Lernen Frauen Leben" durchgeführt.

 

 „Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben!“

 

Interkulturelles und psychosoziales Beratungs- und Bildungsangebot zur Bewältigung, Sensibilisierung und Prävention von Gewalt bei Frauen mit Migrationshintergrund

 

durchgeführt von:

Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V.

In der Stehle 26, D-53547 Kasbach-Ohlenberg

 

gefördert von:

 

 

Projektabschlussbericht

 

  • Einleitung
  • Vorstellung der Arbeiten der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V.
  • Leitlinien, Verständnis, Definitionen, Grundsätze

◦     Leitlinie für die Arbeit mit Frauen

◦     Grundsatz der Gemeinwesenarbeit im Rahmen des Projekts

◦     Verständnis für die Arbeit zur Interkulturellen Öffnung im Rahmen des Projekts

◦     Definition von Gewalt

◦     Definition und Arten von Trauma

  • Konzept und Ziele des Projekts

◦     Zielgruppe des Projekts

◦     Ziele des Projekts

◦     Projektmaßnahmen

1.1.1.  Muttersprachliche Telefonberatung

1.1.2. Selbsthilfegruppen

1.1.3. Aufklärungsangebote

1.1.4. Trainingskurse und Netzwerkarbeit

1.1.5. Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen

  • Ergebnisse und Erfahrungsberichte

   a) Statistisch

   b) Qualitativ

  • Nachhaltigkeit und Perspektiven
  • Fachliteratur

Einleitung

Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. hat von September 2009 bis August 2012 ein gemeinwesenorientiertes Integrationsprojekt mit dem Namen „Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben“ durchgeführt. Das Projekt ermöglichte es Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in und vor allem durch die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA Räume zu finden, um miteinander Erlebnisse der Gewalt aufzuarbeiten, sich aus Gewalt Situationen zu befreien und gemeinsam gegen Gewalt in der Gesellschaft aktiv zu werden.

In den drei Jahren wurde für Frauen mit Migrationshintergrund muttersprachlich telefonisch, per Mail, per Brief und persönlich Beratung in den Sprachen Kurdisch, Türkisch, Spanisch, Arabisch, Kosovarisch und natürlich Deutsch angeboten. Im Rahmen des Projektes wurden vier Selbsthilfegruppen für Frauen mit traumatisierenden Lebenserfahrungen wie Krieg, strukturelle Gewalt und/oder Gewalt in engen sozialen Beziehungen aufgebaut. Die Arbeiten im Rahmen des Projekts wurde von Anfang an sowohl durch Frauenrechtsaktivistinnen mit jahrelanger Erfahrung in der Frauenarbeit als auch von einem interdisziplinären Team von Mitarbeiterinnen wie Beraterinnen, Psychologinnen, Pädagoginnen, Therapeutinnen, Mediatorinnen und einer Sozialwirtin professionell begleitet.

Der dritte Schwerpunkt des Projekts war ein umfangreiches Aufklärungs- und Seminarangebot hauptsächlich für Frauen aber auch ihr (familiäres) Umfeld, um die Thematik Gewalt als gesellschaftliche Tabu's insbesondere in den Communities der Migrantinnen zu brechen, Frauen zu motivieren erfahrene Gewalt anzuzeigen, Wege aus Gewaltsituationen aufzuzeigen und gemeinsam in den Communities deutlich zu machen, dass Gewalt gegen Frauen gesellschaftlich nicht akzeptiert wird.

Der vierte Schwerpunkt des Projekts waren Trainingskurse und Netzwerkarbeiten, in denen Beratungskooperation und -strukturen verbessert und über Prozesse der Interkulturelle Öffnung die interkulturelle Sensibilität gestärkt wurden. Die Trainingskurse wurden für Ehrenamtliche und Fachkräfte angeboten, die mit Opfern von Gewalt in engen sozialen Beziehungen arbeiten. Mit ihren Netzwerkpartnerinnen hat die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA insbesondere im Kreis Neuwied zu verschiedenen Themen das gemeinsame Fachwissen über die Erkennung von Hürden für Befreiung aus Gewaltsituationen, den Auswirkungen von Traumatisierungen, die Verstärkung der Niederschwelligkeit für Migrantinnen im Zugang für Hilfestrukturen sowie zur interkulturellen Öffnung gestärkt.

Das Projekt wurde seitens der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA über eine breite Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht. Zudem wurden die Projektaktivitäten über Mundpropaganda seitens der Teilnehmerinnen und Mitfrauen weitergetragen, so dass die Anfragen für Beratung, Seminare und neue Netzwerke aus deren Umfelder kamen.

Das Besondere an dem Projekt ist das alle Beteiligten voneinander lernen konnten: die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA von den anfragenden Frauen, deren Kindern und Umfeld sowie dem Netzwerkpartnerinnen von UTAMARA, die anfragenden Frauen von UTAMARA, das Netzwerk von den Erfahrungen der Frauen und Kindern, die sich an UTAMARA gewandt haben, alle mit- und voneinander in den Veranstaltungen und Fachtagungen.

Deswegen gilt ein besonderer Dank in diesem Projekt den Frauen, die der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA das Vertrauen entgegen gebracht haben und den Mut hatten ihre Lebensgeschichten und Gewalterfahrungen mit uns zu teilen und uns damit die Möglichkeit zu geben, sie auf dem Weg aus der Gewalt Situation zu begleiten. Auch bedanken wir uns für ihre engagierte Beteiligung andere Frauen zu motivieren sich an die Beratung zu wenden, an Seminaren teilzunehmen, die Organisierung von Frauengruppen und Seminaren in ihren Städten, denn ohne dieses Engagement hätte das Projekt längst nicht so erfolgreich verlaufen können.

Gefördert wurde das gemeinwesenorientierte Integrationsprojekt durch den Landkreis Neuwied, das Ministerium für Arbeit Soziales Gesundheit, Familie in Rheinland-Pfalz und Frauen und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

 

Vorstellung der Arbeiten der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V.

Der Aufbau der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA wurde mit Hilfe von Frauen für Frauen von der International Free Women’s Foundation (IFWF) mit Sitz in den Niederlanden initiiert. Seit dem Jahr 2006 hat die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. sich als gemeinnütziger und mildtätiger Verein etabliert. Gründung und Aktivitäten wurden durch ein umfassendes Netzwerk von Frauen unterstützt, die in verschiedenen europäischen Ländern leben. UTAMARA hat über 200 Mitfrauen aus 18 verschiedenen Herkunftsländern, von denen viele an den Arbeiten und Projekten ehrenamtlich mitwirken. Der vorrangigste Beweggrund für die Gründung der Begegnungsstätte war, einen unabhängigen Platz von und für Frauen zu schaffen, an dem Frauen sich selbst bilden, ihre Fähigkeiten weiterentwickeln, sich über Ideen und Erfahrungen austauschen, ein Netzwerk und eine Lobby zur Verwirklichung der Geschlechterdemokratie schaffen und eine aktive Teilhabe von Frauen in allen Teilen der Gesellschaft erreichen können. Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA organisiert Seminare, Schulungen, Konferenzen und kulturelle Veranstaltungen. Sie begreift sich als ein Teil von internationalen feministischen Bewegungen und arbeitet in sozialen, lokalen und internationalen Netzwerken mit. Eine Kernüberzeugung der Arbeit ist, Bildung als ‘gemeinsames / gegenseitiges Lernen’ zu sehen. UTAMARA führt Wochenendseminare und Freizeiten für Frauen, Mädchen und Kinder durch – mit dem Fokus auf die Geschichte von Frauenbelangen, Unterdrückung und Perspektiven für einen freiheitlichen Wandel.

UTAMARA organisiert auch Seminare für Männer, mit dem Ziel, patriarchale Einstellungen bei sich selbst und anderen zu hinterfragen. Ein Schwerpunkt wird auf die Lebenserfahrung jeder/s einzelner Teilnehmerin als eine Quelle des Lernens gelegt. Auch spielen im Ansatz von UTAMARA die Auseinandersetzung und Überwindung von gesellschaftlichen Tabus, persönliche Erfahrungs‐ und Wissensaustausch eine wichtige Rolle. UTAMARA engagiert sich für diese Arbeit in regionalen, überregionalen sowie internationalen Netzwerken, organisiert Fachkonferenzen bzw. nimmt an solchen. Darüber hinaus bringt sich UTAMARA in Arbeitskreisen wie dem Runden Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen, der AG Migration des LV des DPWV Rheinland-Pfalz/Saarland ein.

Von Anfang an spielten kurdische Frauen und ihre Emanzipationsbestrebungen eine wichtige Rolle bei der Konzeption, Gestaltung und der Arbeit der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA. Eine wichtige Forschungsarbeit für die Arbeiten von UTAMARA ist die Studie „Psychische Folgen traumatischer Erfahrungen auf die Entwicklung kurdischer Migrantinnen in der Europäischen Union“, die von der IFWF im Jahr 2007 herausgegeben und von dem Daphne II Programm gefördert wurde.

Mit dem vom Daphne III Programm geförderten Projekt „Den Kreislauf der Gewalt durchbrechen“ hat die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen Pupil Parent Partnership Ltd. in Großbritannien, Wide Open School Foundation in der Slowakei und Step by Step Program Foundation Sofia, Bulgarien Bildungskonzepte für Fachleute und politische Entscheidungsträger, die mit Betroffenen von Gewalt in engen sozialen Beziehungen arbeiten, entwickelt. Alle Partnerorganisationen haben umfangreiche Erfahrungen und Netzwerke in das Projekt mit eingebracht. Das Handbuch wurde in den Sprachen Englisch, Deutsch, Bulgarisch, Kurdisch, Türkisch und Slowenisch publiziert und von der Europäischen Kommission, dem Daphne III Programm, gefördert.

Von 1. September 2009 bis 31. August 2012 hat die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. das Projekt „Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben!“ durchgeführt.

 

Prinzipien, Grundlagen und Ansätze

 

Bevor wir zum Projekt selbst übergehen, möchten wir hier noch die Gelegenheit zu nutzen, um Arbeitsgrundlagen, -methoden und -ansätze darzulegen. Deswegen werden wir im folgenden Abschnitt unsere Prinzipien für die Arbeit mit Frauen, auf unseren Grundsatz der Gemeinwesenarbeit eingehen, unserem Verständnis von Interkultureller Öffnung sowie unsere Definition von Gewalt und Trauma erläutern.

 

Leitlinien für die Arbeit mit Frauen

Die Prinzipien, nach denen wir unsere Arbeit mit Frauen und deren Kinder gestalten, gilt für alle Arbeitsbereiche der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA. Sie entspricht unserer Grundhaltung gegenüber allen Frauen. Sie galt ebenso für die Zusammenarbeit im UTAMARA-Team als auch gegenüber den Frauen, die Beratung anfragen, an Seminare teilnehmen und in den Selbsthilfegruppen:

UTAMARA versteht sich als einen schützenden Rahmen, in dem Frauen

 

  • ihre Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen zurückerobern und sich selbst verteidigen lernen.
  • bei der Bewältigung von Gewalt-, Kriegs- und Migrationserfahrungen unterstützt werden.
  • eigene Ressourcen und Selbstheilungskräfte wahrnehmen und stärken lernen.
  • Traumatisierung und deren Folgen enttabuisieren und damit leben lernen.
  • ihre persönlichen Stärken, Fähigkeiten, Begabungen und Ausdruckskraft entdecken und entfalten können.
  • in die Aufarbeitung von Traumatisierung auch die gesellschaftlichen Ursachen miteinbeziehen.
  • in Begegnungen mit Frauen aus anderen Kulturen ihr schöpferisches Potential austauschen und erweitern können.

 

Grundsatz der Gemeinwesenarbeit im Rahmen des Projekts

Unser Verständnis für die Arbeit in einem gemeinwesenorientierten Integrationsprojekt ist, die ergänzende und gegenseitig stärkende Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen, Organisationen, Institutionen auf lokaler Ebene. Ziel der Gemeinwesenarbeit ist es zudem, „die das Gemeinwesen beeinträchtigenden Probleme konstruktiv und lösungsorientiert aufzugreifen“[1]. Diese Arbeit fand in den Sozialräumen der Menschen (Nachbarschaften, Stadtteile und Gemeinden) statt und wurde in unserem Projekt gemeinsam von ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Fachkräften umgesetzt. Das gemeinwesenorientierte Integrationsprojekt ermöglichte uns somit den Ausbau der Kooperation mit verschiedenen Akteur/innen des Gemeinwesens. Diese Vernetzung und Kooperationen spielten eine sehr wichtige Rolle, vor allem in Bezug auf interkulturelle Öffnung des Gemeinwesens, die Sensibilisierung für die gesellschaftlichen Hürden von Frauen mit Migrationserfahrung und mehrfachen Traumatisierungen sowie der Förderung von muttersprachliche Angeboten im Gesundheitswesen sowie in der Beratungsarbeit.

 

Verständnis für die Arbeit zur Interkulturelle Öffnung

 

Interkulturelle Öffnung beschreibt in der sozialen Arbeit ein Prozess der Organisationsentwicklung, in dem Zugangsbarrieren für Migranten und ihren Familien beseitigt und ihnen das breite Spektrum aller öffentlichen Einrichtungen erschließt. Prozesse zur interkulturellen Öffnung als Einrichtung zu fördern und zu begleiten bedeutet für uns die Qualität des Zusammenlebens unter Menschen in der hiesigen Gesellschaft zu stärken und damit einer gesellschaftlichen Verantwortung für emanzipatorische Prozesse nachzukommen.

 

Definition von Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist ein schwerwiegender Angriff auf die Würde des Menschen. Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftliches Problem, dass die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA mit diesem Ansatz bekämpft. Grund für Gewalt gegen Frauen - nicht nur Migrantinnen - liegt darin, dass unsere Gesellschaft patriarchalen geprägt ist und deswegen strukturell befördert wird. In unserer Arbeit greifen wir auf die Definition der CEDAW, die in der Empfehlung Nr. 19 Gewalt gegen Frauen als schwerwiegende Menschenrechtsverletzung und als Form der geschlechtsspezifischen Diskriminierung definiert. Die Empfehlung besagt, dass die Definition von Diskriminierung im Artikel 1 geschlechtsspezifische Gewalt einschließt.[2]

Geschlechtsspezifische Gewalt wird von der CEDAW definiert als «Gewalt die gegen eine Frau gerichtet ist, weil sie eine Frau ist, oder die Frauen überproportional häufig betrifft». Sie umfasst alle Akte, die zu körperlichen, seelischen oder sexuellen Verletzungen und Leiden führen, Androhungen solcher Taten, Zwang und andere Beschränkungen der Freiheit[3]. Geschlechtsspezifische Gewalt verhindert, dass Frauen ihre Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten realisieren können, die unter anderem folgende Rechte beinhalten:

 

  • das Recht auf Leben,
  • das Recht, nicht der Folter oder grausamen, unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlungen oder Bestrafungen ausgesetzt zu sein,
  • das Recht auf Grundfreiheiten und Schutz durch das Gesetz.

Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. arbeitet zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in engen sozialen Beziehungen im RIGG Projekt (Rheinland-Pfälzisches Interventionsprojekt gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen) mit. Gewalt in engen sozialen Beziehungen kann körperliche, sexualisierte, psychische oder emotionale, belästigende sowie ökonomische Form haben.

Frauen haben auch häufig mit einer gesellschaftlich bedingten geschlechtsspezifischen Benachteiligung zu kämpfen, die als strukturelle Gewalt bezeichnet wird. Die Gewaltformen die im RIGG Projekt definierten werden, sind auf der Internetseite noch detaillierter aufgeführt.

 

Definition und Arten von Trauma[4]

Ein Trauma ist ein gewaltvolles oder überwältigendes Ereignis, das die Bewältigungsstrategien eines Menschen überfordert, so dass dieser Mensch auf besondere Notfall- oder Überlebensstrategien zurückgreifen muss. Häufig geht dieses Ereignis mit einer (Lebens-) Bedrohung einher, kennzeichnend ist ein ausgeprägtes Erleben von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Auslieferung.

Eine Traumatisierung ist die Reaktion eines traumatisierten Menschen auf dieses Ereignis, die individuell sehr unterschiedlich sein kann. Die Reaktionen der Menschen ist auch abhängig von den Bedingungen der traumatisierenden Erfahrung. Einerseits gibt es Traumata, die durch „höhere Gewalt“ verursacht werden, wie z.B. Unfälle, Naturkatastrophen, Schicksalsschläge oder schwere Erkrankungen. Sehr viel häufiger sind andererseits so genannte „man made“ Traumata, also überwältigende Erfahrungen, die von Menschen verursacht wurden wie Angriffe, Überfälle, sexualisierte und häusliche Gewalt. Hier wird nicht nur das Leben an sich erschüttert, sondern auch das Vertrauen in andere Menschen, was den Heilungsprozess deutlich erschweren kann.

Besonders gravierend wirkt sich dies aus, wenn traumatische Verletzungen in der Kindheit durch Bezugspersonen zugefügt werden, da das Kind naturgemäß von Erwachsenen abhängig ist und sich daher nicht in Sicherheit bringen oder wirkungsvoll zur Wehr setzen kann.

Insbesondere bei sexualisierter Gewalt kommt hinzu, dass Scham- und Körpergrenzen massiv überschritten werden, meist besteht zusätzlich ein Redeverbot, was verhindert, sich in dieser Situation Hilfe zu holen. So kommt es meist auch zur Isolation, das Erlebte kann nicht bearbeitet und bewältigt werden.

Sowohl in der Beratung als auch in den Selbsthilfegruppen spielten zudem die kollektiven Formen der Traumatisierung eine große Rolle insbesondere durch Krieg. Hinzu kamen noch andere kollektive Formen wie Verfolgung aufgrund einer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit, aufgrund sexueller Orientierung oder politischen Engagements kann hierzu gezählt werden. Diese Form von Gewalt geht häufig mit zerstörerischer struktureller Gewalt und gravierenden Spaltungen in einem ganzen Gesellschaftssystem einher, auch kann es zu Folterungen kommen.

 

Konzept und Ziele des Projekts

„Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben!“

Das gemeinwesenorientierte Integrationsprojekt „Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben“ war ein interkulturelles und psycho-soziales Beratungs- und Bildungsangebot zur Bewältigung, Sensibilisierung und Prävention von Gewalt bei Frauen mit Migrationshintergrund.

Hintergrundmotivation für die Entwicklung des Projekts waren die ernste Behinderung aufgrund von familiärer Gewalt sowie struktureller Benachteiligung für die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit und den Integrationsprozess für Frauen mit Migrationshintergrund. Die häufig auch mit Gewalt- und Kriegserfahrungen im Heimatland verbundene Entwicklung von Post Traumatischen Stress Syndromen (PTSD), Depressionen, psychosomatisch motivierten Krankheiten einhergehend mit Sucht- und Suizidgefährdung werden durch geschlechtsspezifische Gewalt im familiären Umfeld – wie z.B. körperliche und seelische Gewalt, Zwangsverheiratung, Mord (-Drohungen) im Namen der „Familienehre“ gravierend verstärkt.[5] Zudem sind in unmittelbarer Umgebung 2007 allein zwei Frauen mit Migrationshintergrund von ihren Ehemännern ermordet worden.

Das Projekt wurde in Ergänzung zu den bereits vorhandenen Integrationsmaßnahmen konzipiert und im Rahmen des Projektes wurde deswegen höchsten Wert auf eine ergänzende Zusammenarbeit mit den Akteuren des Gemeinswesens im Kreis Neuwied gelegt. Zentral in dem Projekt war es eine niederschwellige Beratungseinrichtung zu schaffen, die auf die spezifischen Belange von Migrantinnen zugeschnitten ist. Mängel hinsichtlich der interkulturellen Kompetenz und Erfahrungen im Umgang mit Frauen mit Migrationshintergrund, die von Gewalt betroffen sind, wurden angegangen. Die Einbeziehung und gleichzeitige kritische Hinterfragung patriarchaler Normen und Riten ist notwendig, um diese Mängel überwinden zu können. Hier sei Beispielsweise auf den „Ehr“-Begriff verwiesen, mittels dessen der Besitz- und Verfügungsanspruch über Frauen legitimiert werden soll. Mit diesem werden sämtliche Verhaltensweisen einer Frau seitens des Ehemannes und des weiteren (Familien-) Umfeldes der Frau kontrolliert, reglementiert und sanktioniert. Um Handlungsoptionen in der Präventionsarbeit und zum Schutz der Opfer von Gewalt entwickeln zu können, müssen soziokulturelle Faktoren wie dieser mit eingerechnet werden.

Auch war es notwendig für die Stadt Neuwied und für den ländlichen Raum des Kreises Neuwied ein zusätzliches interkulturelles, überkonfessionelles Begegnungsangebot zu schaffen. Da sich in der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA Frauen mit und ohne Migrationshintergrund engagieren, war UTAMARA für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund eine Motivation sich für ein friedliches, gleichberechtigtes Miteinander in aller Vielfalt zu engagieren.

 

 

Zielgruppe des Projekts

 

Direkte Zielgruppe waren von Gewalt betroffene oder bedrohte Frauen mit Migrationshintergrund, vor allem Frauen aus Krisen- und Konfliktgebieten. Prägnant für die Zielgruppe war eine Vielzahl an potentiellen Traumatisierungsrisiken im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt, Kriegs- und Migrationserfahrungen.

Trotz Faktoren, die die gesellschaftliche Partizipation erschweren, bemühen sich viele Frauen, für sich und nachfolgende Generationen um eine langfristige Lebensperspektive in Deutschland.

Nebenzielgruppe war das (Familien-) Umfeld der betroffenen Frau, da auch die häufig mit belastet sind. Sie können mit bewusstem Umgang zur Stabilisierung der Frauen beitragen.

Indirekte Zielgruppe des Projektes waren Frauennetzwerke und Einrichtungen des Gemeinwesens, die mit der direkten Zielgruppe in Kontakt stehen und für ihre Bedürfnisse Angebote entwickeln wollen.

Als Multiplikatorinnen des Projektes haben qualifizierte Frauen mit Migrationshinter-grund bei der Vermittlung von interkultureller Kompetenz an die indirekte Zielgruppe fungiert. Überraschend war das enorme Engagement der Teilnehmerinnen selbst, die als Multiplikatorinnen in ihren Städten Seminare organisiert, Selbsthilfenetzwerke aufgebaut haben sowie Frauen in Krisensituationen unterstützt und an (muttersprachliche) Beratungsstellen vermittelt haben.

 

Ziele des Projekts waren

Aktivierung und Emanzipation von Zuwanderinnen

  • Ressourcenorientiertes Empowerment (Stärkung von Frauen) und Hilfe zur Selbsthilfe
  • Heranführung an die örtlichen Einrichtungen und Angebote
  • Motivation zur Partizipation am gesellschaftlichen Leben

Prävention von Gewalt und Suchtgefährdung

  • Enttabuisierung familiärer und geschlechtsspezifischer Gewalt
  • Stabilisierung der Persönlichkeit der betroffenen Frauen
  • Sensibilisierung der indirekten Zielgruppe bzgl. Gewalt- und Suchtrisiken bei Frauen mit Migrationshintergrund

Wechselseitige „interkulturelle Öffnung“ & Erhöhung der soziale Integration von Zuwanderinnen

  • Aufklärung und Sensibilisierung der Aufnahmegesellschaft

(durch Multiplikatorinnen)

  • Austausch über sozial-gesellschaftliche Entwicklungen, Werte und Normen in verschiedenen Kulturen
  • Erziehungskompetenz der Zuwanderinnen soll erweitert werden

 

Projektmaßnahmen

 

Dementsprechend bestand das Projekt aus 5 Maßnahmen:

1 - Telefonberatung

2 - Selbsthilfegruppen

3 - Aufklärungskurse

4 - Trainingskurse & Netzwerkarbeit

5 - Öffentlichkeitsarbeit

Diese fünf, einander ergänzende Säulen des Projektes sollen die Frauen mit Migrationserfahrung bei der Bewältigung von unterschiedlich gelagerten Gewalterfahrungen unterstützt, weiteren Gewalterfahrungen vorgebeugt und den Frauen zu einer Erhöhung ihrer sozialen Integration verholfen werden.

 

1 - Telefonberatung

Die muttersprachliche Telefonberatung richtete sich an Frauen mit Migrationshintergrund, die von jeglicher Art von Gewalt betroffen waren. Sie wurde als niedrigschwellige Anlaufstelle mit psychosozialer und pädagogischer Beratung eingerichtet. Die Telefonberatung wurde mit einem interdisziplinären Ansatz gestaltet aus sozial-psychologischer, struktureller und juristischer Beratung immer unter sensibler Berücksichtigung der jeweiligen Sozialisation der anfragenden Frau. Die Anerkennung und Verurteilung der erfahrenen Gewalt, die Stabilisierung, die gemeinsame Entwicklung von Handlungsoptionen sowie das Aufweisen verschiedener möglicher Wege konnten die Frauen in ihrem Wunsch sich aus der jeweiligen Gewaltsituationen zu befreien unterstützen und es konnte dadurch auch präventiv weiteren Gewalterfahrungen vorgebeugt werden. Mit diesem Beratungskonzept konnte ein hohes Maß an Empowerment der Frauen erreicht werden. Die Unterstützung erfolgte zumeist über einen längeren Zeitraum – ein halbes bis dreiviertel Jahr. Die Frauen haben zumeist Beratung zu verschiedenen Themenkomplexen je nach jeweiliger Lebenslage in verschiedenen Zeitabschnitten angefragt. Im Rahmen des Projekts wurden knapp 300 Neuanfragen gezählt. Die anfragenden Frauen haben jedoch in mindestens zwei verschiedenen Themenkomplexen Beratung erhalten.

Die hauptsächlichen Anfragefelder waren:

- Ist das, was ich erlebe, Gewalt?

- Welche Möglichkeiten gibt es, aus der Gewalt-Situation heraus zu kommen?

- Welche Möglichkeiten gibt es für ein vorübergehende finanzielle Unterstützung?

- Strukturelle Möglichkeiten zur Unterstützung beim Weggang.

- Juristische Themen wie Asylrecht, Aufenthaltsrecht, Ehegatten unabhängiger Aufenthaltsstatus, Aufenthaltsbestimmungsrecht der Kinder, Gewaltschutzgesetz, Vertragsrecht, Mietrecht, Arbeitsrecht

- Ökonomische Möglichkeiten zur Grundsicherung des Lebens für die Frauen und ihre Kinder in der ersten Zeit nach dem Weggang.

- Umgang mit Kindern/ Kindererziehung in und nach der Krisensituation

- Möglichkeiten zur Begrenzung der Gewalt seitens des Ehemannes/Partners zugunsten der Möglichkeit, den Kindern den Kontakt mit dem Vater zu erhalten.

- muttersprachliche therapeutische Möglichkeiten.

- Schuldenberatung

- Beratung Umgang mit Sucht des Ehemannes

- Umgang mit Ko-Abhängigkeit

Neben einer telefonischen, persönlichen oder auch schriftlichen Einzelberatung gab es für die anfragenden Frauen auch die Möglichkeit Gruppenangebote wie die angeleiteten Selbsthilfegruppen, Seminare und auch an den Sommercamps teilzunehmen. Ziel war die Frauen aus ihrer Isolation zu lösen und ihnen zu vermitteln, dass Gewalt gegen Frauen kein individuelles sondern ein gesellschaftliches Problem ist, welches durch bestimmte Faktoren wie z.B. soziale Isolation aufgrund von Zuwanderung, Sprachbarrieren oder erhöhter Mehrfachbelastung noch verschärft wird. Durch den Austausch mit anderen Frauen konnten die Frauen sich aus ihrer Isolation lösen.

 

2- Selbsthilfegruppe

Die angeleitete Selbsthilfegruppen richteten sich an Frauen mit Migrationshintergrund, die traumatisierende Erfahrungen (Gewalt in engen sozialen Beziehungen, Zwangsheirat, Kriegserlebnisse, ethnische Verfolgung, Inhaftierung und Folter...) gemacht haben. Sie gaben den Teilnehmerinnen die Mög-lichkeit ihre Einsamkeit, Ängste und Tabus, die insbesondere durch die Gewalterfahrung entstanden sind, zu

überwinden. So konnten die Teilnehmerinnen bei der Bewältigung der Gewalterfahrung unterstützt werden und der Integrationsprozesses der direkten Zielgruppe befördert werden.

Die Selbsthilfegruppen haben sich einmal im Monat für ein Wochenende (Freitagnachmittag/Abend – Sonntagnachmittag) getroffen. Jede Gruppe hat sich insgesamt 7 Mal getroffen. Die Treffen bestanden immer aus drei Kernaktivitäten:

 

  • seitens der Gruppen selbstständig organisierte gemeinsame Zeit
  • eines seitens einer Psychologin begleiteten Gruppentreffen
  • einem Seminar zu verschiedenen Themen

 

Die Selbsthilfegruppen setzten sich zum größten Teil aus Frauen zusammen, die seitens einer Beraterin, einer Seminarleiterin, eines UTAMARA Mitglieds oder einer Teilnehmerinnen der ersten Gruppe oder zweiten Gruppe motiviert worden sind, an der an der Selbsthilfegruppe teilzunehmen.

Die Treffen der Selbsthilfegruppen wurden begleitet durch angeleitete Diskussionsrunden und Input-Referate zu den folgenden Themen:

            - Was ist Gewalt? Was sind die Folgen von Gewalt?

            - gesellschaftliche Ausmaß von Gewalt

            - Was ist ein Trauma?

            - Rechtliche, soziale, therapeutische Möglichkeiten zur Unterstützung in

               schwierigen Lebenssituation während und nach Gewalterfahrungen?

            - Hinterfragung von Rollenbildern

            - Psychoedukation

            - mögliche Konzepte für Selbsthilfegruppen

            - Möglichkeiten zum gemeinsamen Engagement gegen Gewalt für und mit anderen Frauen

 

Es konnten zudem eine interkulturelle Frauen-Selbsthilfegruppe aufgebaut werden, die sich zudem der Problematik von Arbeitslosigkeit widmet. Diese hat sich über ein Jahr in der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA getroffen. Diese Selbsthilfegruppe wurde initiiert um die Isolation unter Frauen abzubauen und ein regelmäßiges soziales Umfeld sowie die gegenseitige Stärkung dieser Frauen einzuleiten. Außerdem hat sich in Neuwied noch eine Selbsthilfe struktur aufgebaut, in denen Migrantinnen mit Sprachkompetenz als Multiplikatorinnen andere Frauen zu Behörden, Arztterminen, etc. begleiten.

 

3- Aufklärungskurse

 

Die Aufklärungs- und Informationsangebote für Angehörige und das Umfeld der von Gewalt betroffenen Frauen waren Veranstaltungen zu den Formen von Gewalt und deren Auswirkungen.

Im Rahmen der Aufklärungsangebote wurden Seminare zu drei Themen konzipiert und angepasst an die jeweiligen SeminarteilnehmerInnen durchgeführt:

       -  Thema I „Was ist Gewalt und Folgen?“

      -  Thema II „Frauen und ihre Rechte – im Falle von Gewalt“

      -  Thema III „Migration und Trauma“.

Um die Entabuisierung von Gewalt in engen sozialen Beziehungen noch stärker in Angriff zu nehmen wurde ab dem Jahr 2010 noch ein weiteres Seminarthema entwickelt:

       - Thema IV „Inwiefern werden Gewaltstrukturen durch Geschlechterrollen reproduziert?“

 

4- Trainingskurse & Netzwerkarbeit

Der Aufbau der Interkulturellen Kompetenz ist durch die aktive Mitarbeit von UTAMARA in vielen Netzwerkstrukturen gefördert worden. Der Aufbau der Interkulturellen Kompetenz ist über die aktive Mitarbeit in vielen Netzwerkstrukturen gefördert worden. So sind Themen für gemeinsame Veranstaltungen, Aktivitäten oder Fachtagungen vorgeschlagen worden. Gleichzeitig wurden zahlreiche inhaltliche Beiträge auf Konferenzen, Kongressen und in Netzwerken gehalten. So wurden Foren des gemeinsamen Lernens geschaffen, die eine Bereicherung aller Beteiligten führte. Die Trainingskurse wurden zur intesiven Förderung der interkulturellen Kompetenz bei Multiplikatorinnen, Fachkräften und bestehenden Einrichtungen des Gemeinwesens angeboten.

Interkulturelle Öffnungsprozesse wurden im Rahmen des Projekts sowohl in über Seminaren als auch auf institutioneller Ebene, z.b. bei der Begleitung für Herkunft-sensible Beratungen in anderen Einrichtungen eingeleitet. Zudem wurden auch hierfür  Netzwerktreffen, Fach-tagungen und Veranstaltungen mitorganisiert, in denen die Problematik an mangelnder interkultureller Öffnung thematisiert und Möglichkeiten zur Veränderung angestoßen worden sind.

 

5- Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen

Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen sind auf breiter Ebene durchgeführt worden. Auch hierzu wurde mit verschiedenen anderen Organisationen zusammengearbeitet. Diese Arbeit diente zum einen dazu die Öffentlichkeit für die Thematik von Traumatisierungsrisiken im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt, Kriegs- und Migrationserfahrungen und deren Folgen stärker aufzuklären und zu sensibilisieren. Auf der anderen Seite haben Frauen aufgrund der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit den Mut gefasst, sich an Beratungsstellen zu wenden. Auch haben viele Frauen andere Frauen in ihrem Umfeld bei Gewaltvorkommen unterstützt. Dies war unserer klaren Haltung sowie Informationen gegen jegliche Formen von Gewalt sowie deren Auswirkung auf die gesamte Gesellschaft geschuldet.

Im Rahmen dieser Arbeit haben auch Projektpräsentationen in verschiedenen Orten und Städten in Einrichtungen, bei Netzwerken und Arbeitskreisen stattgefunden. Weiter wurden Dokumentation und Projektergebnisse veröffentlicht.

 

Ergebnisse und Erfahrungsberichte

Insgesamt ist das Projekt „Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben“ in den letzten drei Jahren positiv angenommen worden. Es ist gelungen die Angebote im Rahmen des Projekts in der Stadt sowie im Kreis Neuwied und auch darüber hinaus bekannt zu machen. Die Teilnahme an den Maßnahmen war gut. Es haben Frauen, Kinder und Männer an den Projektaktivitäten teilgenommen. Der Ansatz, der sich durch das gesamte Projekt zog, dass Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftliches Problem aufgrund ihrer patriarchalen Ausprägung ist, für deren Lösung und Überwindung sich alle mitengagieren können, ermöglichte eine breite Einbeziehung aller AktuerInnen zu der Thematik.

Die aus diesem Ansatz entstandene Konzeption des Projekts, das Individuelle mit dem Gesellschaftlichen zu verknüpfen, ist gut aufgegangen: Teilnehmerinnen aus Seminaren konnten sich an die Beratungsstelle wenden; Frauen, die sich an die Beratungsstelle gewandt haben, konnten auch an den Selbsthilfegruppen oder Seminaren teilnehmen. Die Beratungsstelle war ein wichtiger Anlaufpunkt für Frauen, die sich mit ihren Problemen alleine fühlen. In der Beratung und den Selbsthilfegruppen konnte den Gefühlen von Versagen, Schuld oder mangeldem Selbstbewusstsein entgegegngewirkt werden. Durch diese Kombination haben den Seminar- und Selbsthilfegruppen-teilnehmerinnen die gesellschaftliche Dimension ihrer Probleme verstanden. Viele  Frauen, die an den Selbsthilfegruppe aber auch Seminaren teilgenommen haben, wirken als Multiplikatorinnen in ihrem Umfeld. Sie geben das Gelernte und Erfahrene aus an Frauen in ihrer Umgebung weiter. Aufgrund der gesenseitigen Hilfe der Frauen konnten sie für sich selber und für andere neue Lebensperpektiven und Handlungsmöglichkeiten finden. Die soziale Beziehungen unter den Teilnehmerinnen der Selbsthilfegruppen haben sich weiterentwickelt. Frauen, die vorher isoliert waren, haben neue Freundinnen und deren Kinder ein neues soziales Umfeld gefunden. Für die Frauen hatte es eine große Bedeutung ein ganzes Wochenende für sich zu haben und aus dem Familienalltag raus zu kommen. Dies hat den Frauen eine enorme Kraft gegeben.

An die muttersprachliche Beratungsstelle haben sich Frauen lokal, regional, überregional und sogar international gewandt. Für die meisten Frauen war es eine erhebliche Erleichterung, dass sie von Frauen in ihrer Muttersprache beraten wurden. Frauen mit verschiedenen Hintergründen, Lebensgeschichten und Beweggründen haben sich an die Beratungsstelle gewandt.

Insgesamt ist es gelungen, einen tiefen Einblick in die Problematik von Migrantinnen insbesondere Kurdinnen in Deutschland zu erhalten. Die Dimension von Gewalt gegen Frauen, die gleichzeitige Betroffenheit von Kindern, das Ausmaß von Isolation und die Vielfalt der Wege aus Gewaltsituationen sind Punkte die im Rahmen des Projekts nochmal deutlich zu Tage getreten sind. Die Kinder von gewaltbetroffenen Frauen leiden sehr stark unter Gewalt. Die Gewaltsituation wirkt sich sehr stark auf das Mutter Kind Verhältnis aus. Deshalb ist die Einbeziehung von Kinder in die Aufarbeitung von Gewalterlebnissen wie im Rahmen der Selbsthilfegruppenangebote begonnen mit besonderer Aufmerksamkeit und Programmen ebenso notwendig wie Angebote zur Entwicklung eines neuen Mutter Kind Verhältnis nach erlebter Gewalt. Wichtig ist hierbei besonders die Auseinandersetzung mit alternativen Lebensperspektiven weg von den erlebten Opfer und Täterrollen.

Im Laufe der drei Jahr wurden Frauen mit 32 verschiedenen Migrationshintergründen beraten. Der Schwerpunkt der Beratungsarbeit lag im Kreis Neuwied, Rheinland-Pfalz und Rhein-Sieg. Trotz des hohen vorhandenen Beratungsangebotes und der Bemühung der Weitervermittlung an bestehende Beratungsangebote seitens der UTAMARA-Mitarbeiterinnen gab es einen Prozentsatz von fast 40% an Beratungsanfragen aus ganz Deutschland, vereinzelt sogar über die Landesgrenzen hinaus. Die Beratungsstelle konnte insbesondere unter den kurdischen Frauen zu einer Anlaufstelle des Vertrauens aufgebaut werden. Ballungsgebiet war die Gegend um Hannover, Langehagen, Bielefeld und Celle, aus denen sich insbesondere Frauen yezidischen Glauben gemeldet haben.

Während sich die Anfragen im Kreis Neuwied durch eine Vielfalt an Herkünften auszeichnete, waren die überregionalen muttersprachlichen Anfragen geprägt von thematischen Schwerpunkten wie Umgang mit Fällen von (drohender) Zwangsheirat, Morddrohungen, der so genannten Ehre, der Rolle von muslimischen, alevitischen oder yezidischen Religionen, Abschiebung oder Androhung dieser seitens des Ehemannes, etc.

Es wurde deutlich, dass der Bedarf des muttersprachlichen Angebots für Kurdisch, Farsi, Arabisch aber auch Türkisch noch längst nicht gedeckt ist. Eine schmerzhafte Erkenntniss war allerdings auch, dass viele Frauen sich bereits mehrfach an Beratungsstellen gewandt haben und sie mithilfe dieser nicht das Selbstvertrauen aufbauen konnten, sich tatsächlich aus der Gewaltsituation befreien zu können. Daraus folgte auch, dass viele Beratungen zu mehreren Themenbereichen angefragt wurden. Die Problematiken waren teilweise sehr vielschichtig, so dass die Lösungswege umfassend und längerfristig angegangen werden mussten. Die Beratungsdauer erfolgte deswegen teilweise übereinen Zeitraum bis zu zwei Jahren.

Das muttersprachliche Telefonangebot machte es für Frauen einfacher in Kontakt zu treten. Auch wenn sie anfänglich vielleicht nicht über sich selbst oder die relevanten Probleme reden können, ermöglicht die Anonymität des Telefons Frauen häufig schneller und leichter, über die Kernprobleme zu sprechen.

Eines der größten Erfolge des Projekts ist, dass es den Mitarbeiterinnen der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA vielfach gelungen ist, Frauen vor weiterer Gewalterlebnissen zu bewahren, Frauen von Suizidversuchen abzuhalten bzw. Frauen zur Flucht aus lebensbedrohlichen Situationen bzw. bei vorliegenden Morddrohungen zu unterstützen. Bei den Frauen, die Kinder haben, konnte dementsprechen präventiv weiteren traumatisierenden Erlebnissen für die Kinder vorgebeugt werden. Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA hat die Frauen immer dahingehend unterstützt, ihre Kinder in die Planung zur Befreiung aus der Gewaltsituation miteinzubeziehen.Die Aufklärungsangebote waren eine gute Methode, um einen Kontakt zu TeilnehmerInnen aufzubauen und themenbetreffende Sensibilisierung für Gewalt, Tabuthemen und deren Ursachen in breiteren Kreisen von Frauen und auch deren Umfeld zu erreichen. Nach den Seminaren sind häufig Frauen oder deren Familienangehörigen mit konkreten Gewalterfahrungen zur Beratung gekommen.

Es hat auch zur Sensibilisierung von Familien einschließlich Männern beigetragen. Themen die vor drei Jahren noch nicht ansprechbar gewesen waren, konnten im Laufe des Projekts in Seminaren offen diskutiert werden. Es gibt mehr Mut, über Gewalt im Familienumfeld, Zwangheirat, sexualisierte Gewalt gegen Kinder, etc. zu sprechen. Auch hat im Laufe der Projektlaufzeit die Empfehlung oder Bekannmachung der Telefonberatung für Frauen zugenommen. Im letzten Jahr haben ca. fünfzehn Männer Familienangehörigen, Frauen aus dem Bekanntenkreis oder aus dem Arbeitsumfeld die Telefonberatung empfohlen.

Die Trainingsangebote und die Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnerinnen hatte einen bereichernden Charakter. Insbesondere der Austausch im Runden Tisch Rhein-Westerwald und in dem Netzwerk gegen Gewalt in Neuwied über aktuelle Entwicklungen, Beratungsmethoden, Gesetzesänderungen sowie Weiterbildungsangebote gaben den Projektmitarbeiterinnen die Möglichkeit die Vernetzung im Gemeinwesen zu stärken und die fachliche Qualität zu verbessern. Die gelungene Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Frauen-

häusern und Frauenberatungsstellen, Frauen einrichtungen, Gleichstellungsbeauftragten, Vereinen, RechtsanwältInnen, ÄrztInnen, Institutionen und Frauenprojekten trug in der alltaglichen Arbeit sowie über unten aufgeführten Fachtagungen und Konferenzen zur Qualität der Beratung auf beiden Seiten bei.

Die Qualität der Arbeiten des interkulturell und interdisziplinär arbeitenden UTAMARA-Teams ist sicherlich auch dadruch entstanden, dass die einzelnen Fälle gemeinsam besprochen worden sind und nach adäquaten Lösungsmöglichkeiten gesucht worden ist. Durch diese Methoden konnten die Beraterinnen sich in kurzer Zeit fachlich, sprachlich und organisatorisch weiterentwickeln. Die Schwere der Fälle hat auch eine psychische Belastung für die Mitarbeiterinnen dargestellt. Deswegen haben regelmäßig Teamsitzungen und Supervisionssitzungen sattgefunden, die diese auffangen konnten.

Während des Projekts haben insgesamt 8 Frauen ein Praktikum in der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA gemacht. Die Praktikantinnen waren Schülerinnen, Studentinnen und Fachstudentinnen für Pädagogik. Die Einbindung von Praktikantinnen in die Arbeit ermöglichte den UTAMARA Mitarbeiterinnen das Wissen um die Schwierigkeiten von jungen Frauen mit Migrationshintergrund auszubauen.

 

Quantitativ

 

2009 - 510 Teilnehmerinnen (457/58)

 

1 – Telefonberatung

28 Neuanfragen für das Beratungsangebot

2 – Selbsthilfegruppe

Beginn der ersten Selbsthilfegruppe

3 – Aufklärungsangebote

Es wurden insgesamt 20 Seminare in verschiedenen Städten und auch in der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA durchgeführt. Die Seminare wurden teils von hauptamtlichen und teils von ehrenamtlichen Projektmitarbeiterinnen durchgeführt.

4 – Trainingskurse und Netzwerkarbeit

Es wurden insgesamt 11 Veranstaltungen durchgeführt. 8 Veranstaltungen zum Thema Interkulturelle Öffnung, in denen die bereichernden Aspekte einer Gesellschaft der Vielfalt herausgestellt wurden und für die Schwierigkeiten von Frauen mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft sensibilisiert wurde. Auch wurde 3 Mal die Studie „Kurdische Frauen und Trauma“ mit anschließender Diskussion über die Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen wie Kriegsgewalt, häuslicher Gewalt und Migrationserfahrungen auf das Leben von Frauen vorgestellt. Desweiteren haben die Projektmitarbeiterinnen an 37 Netzwerktreffen teilgenommen und 2009 an der Gestaltung der Fachtagung des Runden Tisches „Migrantinnen – vom Opferschutz ausgeschlossen?“ mitgewirkt.

5 – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Regelmäßige Veröffentlichungen zur Bekanntmachung des muttersprachlichen Angebots in Regionalzeitungen, überregionalen Zeitungen, frauenspezifischen Informationsseiten, Frauenzeitungen, im muttersprachlichen Radio mit Internetveröffentlichung und in muttersprachlichen Fernsehen

Viele Frauen haben sich aufgrund dessen mit dem Beratungsangebot in Verbindung gesetzt.

 

2010 - 1424 Teilnehmerinnen (1197/227)

 

1 – Telefonberatung

97  Neuanfragen für das Beratungsangebot

2 – Selbsthilfegruppen

Abschluss erste angeleitete Selbsthilfegruppe

Beginn der zweiten Selbsthilfegruppe

Start interkulturelle Selbsthilfegruppe für arbeitslose Frauen

aus dem Kreis Neuwied

3 – Aufklärungskurse und Seminararbeit

22 Seminare wurden angeboten.

4 – Trainingskurse und Netzwerkarbeit

10 Netzwerktreffen u.a. zur Mitentwicklung des Leitbildes zur Interkulturelle Öffnung für den LV des DPWV Rheinland-Pfalz/Saarland, die Vorbereitungsaktivitäten für die Einleitung des Prozesses der Interkulturellen Öffnung im Landesverband RLP/Saarland des DPWV und seinen Mitgliedsorganisationen.

Desweiteren haben 11 Netzwerktreffen zur Vorstellung der Arbeiten von UTAMARA im Rahmen des Projektes und zur Sensibilisierung für die Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen wie Kriegsgewalt, Gewalt in engen sozialen Beziehungen und Migrationserfahrungen auf das Leben von Frauen sowie der Entwicklung eines adäquaten Umgangs damit in der Beratungsarbeit stattgefunden.

5 – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Regelmäßige Veröffentlichungen zur Bekanntmachung des muttersprachlichen Angebots, verschiedene Folgen von Gewalt und zur Aufklärung über verschiedene Aktivitäten gegen Gewalt in Regionalzeitungen, überregionalen Zeitungen, frauenspezifischen Informationsseiten, Frauenzeitungen, im muttersprachlichen Radio mit Internetveröffentlichung und in muttersprachlichen Fernsehen.

Viele Frauen haben sich aufgrund dessen mit dem Beratungsangebot in Verbindung gesetzt.

 

2011 - 2418 Teilnehmerinnen (2095/314)

1 – Telefonberatung

      96 Neuanfragen für das Beratungsangebot

2 – Selbsthilfegruppen

Abschluss zweite angeleitete Selbsthilfegruppe

Beginn dritte angeleitete Selbsthilfegruppe

interkulturelle Selbsthilfegruppe im Kreis Neuwied für arbeitlose Frauen

3 - Aufklärungskurse

      26 Auklärungsangebote

4 - Trainingskurse & Netzwerkarbeit

 

8 Netzwerktreffen zur Thematik Interkulturelle Öffnung zur Durchführung und Nachbereitung der Konferenz zur Interkulturellen Öffnung in Mainz mit Landesverband RLP/Saarland des DPWV und seinen Mitgliedsorganisationen

Mitgestaltung der Fachtagung des Runden Tisches 2011 „Entabuisierung oder Voyeurismus – Gewaltopfer in den Medien“

3 Netzwerktreffen zur Vorstellung der Arbeiten von UTAMARA im Rahmen des Projektes und zur Sensibilisierung für die Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen wie Kriegsgewalt, Gewalt in engen sozialen Beziehungen und Migrationserfahrungen auf das Leben von Frauen sowie der Entwicklung eines adäquaten Umgangs damit in der Beratungsarbeit.

5 – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Regelmäßige Veröffentlichungen zur Bekanntmachung des muttersprachlichen Angebots, verschiedene Folgen von Gewalt und zur Aufklärung über verschiedene Aktivitäten gegen Gewalt in Regionalzeitungen, überregionalen Zeitungen, frauenspezifischen Informationsseiten, Frauenzeitungen, im muttersprachlichen Radio mit Internetveröffentlichung und in muttersprachlichen Fernsehen.

Viele Frauen sowie Kinder und Männer haben sich aufgrund dessen mit dem Beratungsangebot in Verbindung gesetzt.

 

2012 - 1673 Teilnehmerinnen (1095/578)

 

1 – Telefonberatung

46 Neuanfragen für das Beratungsangebot

2 – Selbsthilfegruppen

Abschluss dritte angeleitete Selbsthilfegruppen

3 - Aufklärungskurse

14 Seminare

4 - Trainingskurse & Netzwerkarbeit

4 x Treffen zur Nachhaltigkeit, 7 Netzwerktreffen, 4 Kooperationstreffen, 4 Vorstellung der Arbeiten, 4 Infostände, 4 Netzwerktreffen

5 – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Regelmäßige Veröffentlichungen zur Bekanntmachung des muttersprachlichen Angebots, verschiedene Folgen von Gewalt und zur Aufklärung über verschiedene Aktivitäten gegen Gewalt in Regionalzeitungen, überregionalen Zeitungen, frauenspezifischen Informationsseiten, Frauenzeitungen, im muttersprachlichen Radio mit Internetveröffentlichung und in muttersprachlichen Fernsehen.

Wichtig waren die Informationsmaterialien und das Plakat, dass in vielen Vereinen ausgehängt wurde. Das hat zur Sichtbarkeit des Projektes beigetragen.

Viele Frauen sowie Kinder und Männer haben sich aufgrund dessen mit dem Beratungsangebot in Verbindung gesetzt.

 

Weitere Reflektionen

 

Im Folgenden haben wir stichwortartig noch einige weitere Ergebnisse und Erfahrungen zusammengestellt:

  • Für die Frauen in den Selbsthilfegruppen ist es schwierig in der Alltagsbelastung die Kontinuität für die SHG zu gewährleisten, so dass sich die Selbsthilfegruppe aus einem festen Stamm und wechselnden Teilnehmerinnen zusammensetzt.
  • Es gibt einen großen Bedarf Gewaltstrukturen und Rollenbilder zu hinterfragen und alternative Konzepte für Familien und Geschlechterrollen zu entwickeln.
  • Ein einziges solches Projekt reicht längst nicht aus, um dem vorhandenen Ausmaß von Gewalt gegen Frauen im Kreis zu begegnen (präventiv).
  • Die freiwillige Teilnahme an Seminaren und Beratungsangeboten erhöht die Garantie, dass tatsächlich Veränderungsprozesse zum Stoppen der Gewalt eingeleitet werden. (Dies konnte insbesondere im Zahlenvergleich z.B. mit den Interventionsstellen festgestellt werden)
  • Durch die Aufklärung über Gewaltformen, deren gesellschaftliche Dimension und Folgen waren deutlich mehr Frauen motiviert, Gewalt, die sie selbst und die Frauen in ihrem Umfeld erfahren offensiver entgegenzutreten. Durch diese Maßnahmen konnten Frauen auch zunehmend den Mut finden, über Gewalterfahrungen zu sprechen.
  • Es konnte einen großen Bedarf für die Weiterführung und dem Ausbau der Telefonberatung festgestellt werden.
  • Es gibt einen Bedarf für Konzepte der Gewaltprävention für die ganze Familie.
  • Das Projekt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse waren eine Bereicherung für die Netzwerke und die Diskussionen in den Netzwerken.
  • Da seit Mitte des Projektzeitraumes die Projektmitarbeiterinnen UTAMARA zunehmend als interkulturelle Vermittlerinnen bzw. als Fachkräfte für die Beratung von Migrantinnen angefragt wurden, ist ein Wissensdefizit und ein Bedarf diesem entgegenzuwirken festgestellt worden.
  • Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA sind durch die starken Aktivitäten im Rahmen des Projekts als ein Ort zu dem Frauen gegen, die Probleme haben wahrgenommen worden. Dies war für manche Frauen ein Hinderungsgrund den Konakt aufzubauen. Deswegen ist es künftig wichtig die anderen Aktivitäten der Einrichtung neben gewaltpräventiven Arbeiten stärker in die Pressearbeit einzubinden.
  • Zum Ende des Projektzeitraumes haben sich Anfragen gehäuft, in dem Frauen mit Migrationshintergrund seitens der Ehemänner erpresst wurden, wenn sie sich Unterstützung gegen die ausgeübte Gewalt suchen, dass sie sie dann zurück zu ihrer Familie schicken.
  • Auch sind zunehmend Fälle vorgekommen, in denen Freundinnen um Beratung gebeten haben, da Frauen von ihren Ehemännern bei ihren Familien ohne Pass, Rückflugticket und Geld im Heimatland abgesetzt worden sind.

Nachhaltigkeit und Perspektiven

 

Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeit des Projekts wirkt besonders durch die Hilfe zur Selbsthilfe. Über die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen und professionelle   Mitarbeiterinnen konnte ein gemeinsames Lernen im Projektverlauf erfolgen. Durch die Aktivierung und Qualifizierung von Multiplikatorinnen sowie der Mitwirkung der 8 Praktikantinnen und der vielen Ehrenamtlichen im Rahmen des Projekts, wird das Wissen, dass im Rahmen des Projekts gewonnen werden konnte an viele Frauen weitergetragen werden.

Auch konnte eine Sensibilisierung und gemeinsame Qualifizierung in Netzwerken erreicht werden, die in den bestehenden Strukturen des Gemeinwesens weiter erhalten bleibt. Desweiteren werden die Projektergebnisse und - erkenntnisse auch in weitere Projekte der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA einfließen. Geplant sind auch weitere Projekte durchzuführen über die die muttersprachliche Telefonberatung, das Bildungsangebot und die Aktivitäten im Netzwerk weitergeführt werden können. Dazu sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Informationen vorhanden.

 

 

Perspektiven

 

1) Im Rahmen des Projektes „Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben!“ ist vielfach der Bedarf festgestellt worden, dass ein Konzept zur Prävention von Gewalt und zur Förderung eines gewaltfreien Umgangs innerhalb einer Familie notwendig ist. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder zur freien Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Begabungen kommen insbesondere bei Familien, in denen noch keine Bewältigung von Gewalt-, Kriegs- und Migrationserfahrungen stattfinden konnte, zu kurz.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Seminare haben verstärkt zum Ausdruck gebracht, dass sie sich selbst häufig im Umgang mit der Lebensrealität ihrer Kinder überfordert fühlen. Sie können zwar die Grundbedürfnisse ihrer Kinder decken, aber es mangelt Ihnen an Kenntnissen für die Förderung der Fähigkeiten und Begabungen ihrer Kinder, Kenntnissen über die Schwierigkeiten ihrer Kinder in der Schule, der alltäglichen Diskriminierung und strukturellen Benachteiligung in der Aufnahmegesellschaft sowie vielfältigen Handlungsmöglichkeiten und -methoden zur bestmöglichen Unterstützung ihrer Kinder. Auch haben sowohl Mütter als Väter zum Ausdruck gebracht, dass sie gerne mehr Methoden und Möglichkeiten zur gewaltfreien Kommunikation und zum Aufbau einer besseren Beziehung zu ihren Kindern in ihrer Muttersprache und unter Berücksichtigung ihres kulturellen Umfeldes kennenlernen möchten. Ein entsprechendes Projekt ist geplant.

2) Das Projekt „Gewalt ist kein Schicksal – Gemeinsam Lernen Frauen Leben!“ ist abgesehen von den Aktivitäten im Kreis Neuwied und Rhein-Sieg ausschließlich über das Schneeballprinzip bekannt geworden. Frauen, die bereits an unsere Beratungsstelle, unseren Aktivitäten und Veranstaltungen teilgenommen haben, haben diese an andere Frauen weiterempfohlen. Wie bereits festgestellt wurde, hat die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA so neben den geplanten Aktivitäten eine Vielzahl zusätzlicher Aktivitäten zur Gewaltprävention und Aufklärung über Gewalt und seine Folgen durchgeführt. Auch der Bedarf für eine überregionale muttersprachliche Telefonberatung ist deutlich geworden. Frauen aus verschiedenen Städten und Dörfern bundesweit haben sich an unsere Telefonberatung gewandt. Eine Weitervermittlung an regionale Einrichtungen scheiterte am häufigsten daran, dass die Frauen sich nicht in ihrer Muttersprache ausdrücken konnten, dass es einen Mangel an entsprechender interkultureller Kompetenz gab und dass sie keine Ansprechpartnerinnen für die mehrfach gelagerten Probleme gefunden haben.

Die Erfolgsquote für die Beratung ist ausgesprochen hoch. Die Beratungsdauer belief sich in der Regel zwischen einem halben und einem ganzen Jahr.

Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA hat mit diesem ersten großen Projekt als kleiner Verein gezeigt, dass sie in der Lage ist auch große Projekte zu stemmen und dass aufgrund des Engagements von Frauen verschiedener Herkunft in der Frauenbegegnungsstätte ein erleichterter Zugang zu den Migrantinnen-Communities möglich ist. Dieses Potenzial möchten wir gerne nutzen und die Aktivitäten der Beratungsstelle in einem neuen Projekt ausbauen.

 

 

 

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[1]http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinwesenarbeit abgerufen am 17.08.2012

[2]http://www.unwomen.de/wp-content/uploads/2011/09/UN-Women-Justice-Report-Deutsch1.pdf

[3]Siehe dazu auch die Seite des RIGG Programms http://rigg.rlp.de/index.php?id=36327

[4]Die Definition und die Arten von Trauma entsprechen der Definition der Psychotherapeutin Ellen Spangenberg, die sich für Traumatherapie spezialisiert hat. http://www.ellen-spangenberg.de/Trauma

[5]Vgl. Studie „Psychische Folgen traumatischer Erfahrungen auf die Entwicklungen kurdischer Migrantinnen in der Europäischen Union“, 2007

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15.06.2019 13:00-17:00 Uhr Kinderfest Regenbogen der Kulturen in Linz (Rhein)

19.07.2019 - 21.07.2019 Sommerfreitzeit für Kinder von 7- 13 J.

26.07.2019 - 01.08.2019 Mutter-Kind-Sommerfreizeit

 

... für mehr Infos und Anmeldungen rufen Sie uns einfach an (02644-602424)

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