Was ist UTAMARA

Der Name UTAMARA setzt sich zusammen aus den Namen zweier eindrucksvoller Frauen Uta und Amara, beides Frauenaktivistinnen und Internationalistinnen. Sie haben an dem Projektplan,

1. Was bedeutet der Name UTAMARA?

Der Name UTAMARA setzt sich zusammen aus den Namen zweier eindrucksvoller Frauen Uta und Amara, beides Frauenaktivistinnen und Internationalistinnen. Sie haben an dem Projektplan, eine Frauenbegegnungsstätte aufzubauen, mitgearbeitet. Uta kam aus Deutschland und Amara war Türkin. Leider sind sie gemeinsam an einem Autounfall ums Leben gekommen, um in ihrem Gedenken die gemeinsame Arbeit fortzuführen, haben wir dem Verein ihren Namen gegeben.

 

2. Was ist die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA und wann ist UTAMARA gegründet worden? Was sind die Ziele der Einrichtung.

Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA ist ein gemeinnütziger Verein, der von Frauen für Frauen gegründet wurde. Sie ist ein Ort für Frauen jeden Alters und jeder Nationalität, ein Treffpunkt unabhängig von sozialer Situation, Religion und Weltanschauung. UTAMARA wurde im Oktober 2006 gegründet.

Die Ziele der Arbeit von UTAMARA sind die Förderung von Bildung und Erziehung, die Verwirklichung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie der Förderung des internationalen, interkulturellen Austausches und der Völkerverständigung. Für die Umsetzung dieser Ziele bieten wir für Frauen Bildungs- und Freizeitangebote an, in denen sie ihre persönlichen Stärken, Fähigkeiten und Begabungen entdecken und entfalten und sich Frauen verschiedener Herkunft und Kulturen begegnen können. Das Bildungsangebot wird aus den Quellen von Qualifikationen, Begabungen und Interessen der Mitgliedsfrauen entwickelt. So ist ein Zentrum entstanden in dem Frauen Frauen unterstützen, von Frauen lernen und mit Frauen – wenn auch nur temporär – kollektiv das Leben teilen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Arbeit gegen jegliche Form gegen Gewalt gegen Frauen. So ist UTAMARA ein schützender Rahmen, in dem Frauen gemeinsam Gewalt-, Kriegs-, und Migrationserfahrungen bewältigen können.

 

3. Seit wann arbeiten Sie für UTAMARA tätig und welcher Tätigkeit gehen Sie nach? Wie viele Personen arbeiten in dem Verein?

Da diese Frage von jeder der 130 Mitfrauen des Vereins UTAMARA anders beantwortet werden würde, möchte ich diese Fragen nicht persönlich beantworten. Allgemein können wir sagen, dass das was uns für die Arbeit bei UTAMARA motiviert ist, dass jede Frau mit Herzlichkeit empfangen und ernstgenommen wird und dass wir Frauen uns hier mit Respekt begegnen, egal welche Lebensgeschichte oder sexuelle Orientierung die jeweilige Frau mitbringt. Dies führt dazu, dass sich Frauen hier wohlfühlen und gerne wiederkommen. Die Intensität der Mitarbeit ist von den jeweiligen Frauen und ihrer Zeit abhängig.

 

4. Welche Rolle spielen die kurdischen Frauen in der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA?

Die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA ist maßgeblich von kurdischen Frauen mit gegründet worden. Eines der Hauptanliegen zur Gründung war es, einen Ort zu schaffen, an dem sich unter anderem Kurdinnen von traumatischen Erfahrungen wie Krieg, Migration und Gewalt erholen und sie diese gemeinsam aufarbeiten können.

 

5. Welche sind die häufigsten Probleme der kurdischen Frauen in Deutschland? In welcher Form gebt ihr ihnen Hilfe bzw. unterstützt sie?

Alle Frauen (weltweit) können häufig aufgrund der enormen Vielfachbelastung, meist nur einen Bruchteil ihrer Fähigkeiten und Qualifikationen aktiv in gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen einbringen. Auch wirkt sich die Belastung häufig negativ auf ihre Gesundheit und ihre sozialen Beziehungen aus. Dies gilt insbesondere für ihre Teilhabe an gesellschaftlichen, politischen und privaten Entscheidungsprozessen.

Das Leben von Frauen zeichnet sich häufig durch Isolation, die Kälte der Gesellschaft - das fehlende Interesse von Menschen an anderen Menschen aus. Frauen mit Flucht oder Migrationserfahrungen haben verstärkt Probleme wie Sprachbarrieren und die mangelnden Kenntnisse über ihre Rechte, gesellschaftlichen Strukturen, wie Gesundheitssystem, Beratungseinrichtungen, Bildungsangebote.

Jedoch kommt für kurdische Frauen im Exil ein wesentlicher Faktor hinzu: Der Krieg und die Repression die die kurdische Bevölkerung noch immer tagtäglich ertragen muss. Frauen sind bekanntermaßen in Kriegen immer besonders betroffen. Auch verschärfen traumatische Erfahrungen wie Kriege in Familien häufig die häusliche Gewalt, ebenso wie Flucht mit dem Verlust des Umfelds. Viele Männer fühlen sich im Exil häufig ohne Arbeit ohne Wert, das ist auch ein starker Faktor, der häufig zu Gewalt gegen Frauen führt. Dies sind Schwierigkeiten, zu Frauen Lösungen suchen. In unserer gemeinsamen Arbeit, den Seminaren, Gesprächen entwickeln wir individuelle aber auch kollektive Lösungsansätze und -wege.

 

6. Befasst ihr euch momentan mit irgendwelchen konkreten Projekten? Falls ihr die Möglichkeiten hättet, welche Arbeit würdet ihr machen, welche Projekte würdet ihr realisieren?

Eine besondere Freude ist, dass wir seit dem 1.09.09 im Rahmen des Projekts „Gemeinsam lernen Frauen leben - Gewalt ist kein Schicksal!“ eine muttersprachliche Telefonberatung für Frauen in den Sprachen Spanisch, Kurdisch, Türkisch, Englisch und Deutsch anbieten können. Bei der Beratung ist es uns ein Anliegen, dass Frauen eine Stelle haben, an die sie sich mit jeder Frage (sozial, gesundheitlich, rechtlich, …) wenden können. Wir haben bereits ein weites Netzwerk von Migrantinnen geschaffen, die Frauen in ihrer Muttersprache Unterstützung bieten können. Die Telefonnummer ist: 02644 60 260 60.

Weiter bieten wir - wie bereits erwähnt - regelmäßig Bildungsfreizeiten für Frauen und Mädchen an, entwickeln Seminare (mit) zu frauenpolitischen Themen und organisieren kulturelle Veranstaltungen, nehmen aber auch an Konferenzen und Seminare anderer Einrichtungen teil.

Wir arbeiten auch an dem Projekt namens „Breaking the Cycle of Violence“ mit zur Entwicklung von Schulungsmaterialien zur präventiven Arbeit gegen Gewalt. Die vier Partnerorganisationen aus England, Bulgarien, Slowakei und wir aus Deutschland kommen aus verschiedenen Bereichen Jugendarbeit, Schularbeit, der Bildungsarbeit in sozialen Brennpunkten oder wir aus der Frauenarbeit.

Eine Besonderheit unserer Einrichtung ist sicherlich, dass wir auch Männerseminare anbieten. Es ist ein Angebot an Männer, die sich bereit erklären ihre Rolle zu hinterfragen. Im Rahmen dieser Seminare ist auch geplant, die Männer, die bisher an den Seminaren teilgenommen haben mit ihren Lebenspartnerinnen gemeinsam einzuladen.

 

7. Wie ist eure Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen/Vereinen und Parteien.

Die Zusammenarbeit findet immer im Rahmen von konkreten Projekten und Aktivitäten statt und entwickelt sich zumeist aus dem Netzwerk der Frauen, die an den jeweiligen Arbeiten beteiligt sind. Mit Parteien arbeiten wir grundsätzlich nicht zusammen. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Frauengruppen, mit denen wir zusammenarbeiten, die teilweise an Parteien angebunden sind. Es ist mittlerweile ein breites Spektrum von Vereinen und Einrichtungen entstanden, so sind wir beispielsweise Mitglied am Runden Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen, im Paritätischen Wohlfahrtsverband und bei der Europäischen Feministischen Initiative. Wir arbeiten eng mit Frauengruppen, Fraueneinrichtungen wie den Frauenhäusern oder Migrantinnenselbstorganisationen zusammen, den lokalen Gleichstellungsbeauftragten, Frauenzeitungen, …  Jedoch bezieht sich unsere Arbeit immer auf die Lösung von Problemen für Frauen. Dies muss das gemeinsame Interesse für eine Zusammenarbeit sein.

 

8. Aus welchen Gründen kommen die Frauen am häufigsten zu euch? Falls eine Frau Gewalt erlebt und sich daher an euch wendet, wie schützt ihr sie und helft ihr?

Die meisten Frauen kommen zu uns, weil sie von uns gehört haben, unsere Arbeit gut finden und sich mehr darüber informieren möchten. Sie kommen aus Interesse und Neugierde. Sie werden meist von einer Freundin oder Bekannten mitgenommen.

Wenn sich eine Frau an uns wendet, weil sie ein Problem hat, fragen wir immer erst Mal, welche Unterstützung sie von uns erwartet. Es gibt keine verallgemeinerten Lösungen für Gewalt-Situationen. Meist ist es schon eine große Erleichterung, sich jemandem anvertrauen zu können, darüber gewinnen sie die Kraft, ihre Situationen selbst zu lösen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Frauen selbst immer am besten wissen, was gut für sie ist.

 

9. Wenn ihr einen Vergleich zwischen den Problemen der kurdischen Frauen in Deutschland und den deutschen Frauen zieht, welche Unterschiede bestehen da? Um ein Beispiel zu nenn, kurdische Frauen werden im "Namen der Ehre" getötet.

Deutsche Frauen werden aus Eifersucht getötet. Das ist für uns das gleiche. Die Frauen werden in der Gesellschaft einem solchen Druck ausgesetzt, allein so zu leben, wie es ihnen ihre Ehemänner, ihre Familien die Gesellschaft vorschreibt. Viele Frauen, die diese Maßregelungen nicht mehr ertragen können, entscheiden sich gar eher für den Tod als für ein Leben im Käfig. Diese Zahlen haben die Größenordnungen von Massakern.

Die Erfahrungen aus unseren Seminaren haben gezeigt, dass alle (Männer und Frauen) eine klare Meinung dazu haben, was Frauen alles leisten oder wie sie sein sollen, auch wenn sie ihre eigene Meinung als widersprüchlich empfinden. Im Prinzip geht es doch immer darum, dass Frauen ein freies Leben nicht zugestanden wird. Sie dürfen nicht frei entscheiden, wie und wo sie leben möchten, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten. Wir sehen da eher, dass Frauen international mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Und genau dies ist auch unsere Chance als Frauen.

Unsere Arbeit als Frauenbegegnungsstätte ist es, Frauen die Möglichkeit zu geben, sich über ihre Probleme auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen und zu stärken.

 

10. Wie macht ihr eure Arbeit und Projekt in der Öffentlichkeit bekannt? (Flyer, Bücher, Seminare, etc.)

Wir machen eine kontinuierliche Pressearbeit. Wir verteilen natürlich Flyer, nehmen an Konferenzen teil, sprechen Menschen persönlich an. Das ist abhängig von dem jeweiligen Projekt und dessen Ziel.

In Projekten, die für die Öffentlichkeit eine Relevanz haben, veröffentlichen natürlich auch Ergebnisberichte oder Materialien.

Wir haben beispielsweise die Studie „Encamên Psîkolojîk ên Serboriyê n Trawmayê li ser Pêsketina Jinên Kurd ên Penaber li Yekîtiya Ewrûpayê“ in die deutsche Sprache übersetzt und veröffentlicht, um Fachleute, Einrichtungen und Menschen auf die Situation von kurdischen Frauen in Europa aufmerksam zu machen.

Auch in dem Projekt „Breaking the Cycle of Violence“ ist geplant, umfangreiches Schulungsmaterial für die Präventionsarbeit und die Arbeit gegen Gewalt zu entwickeln und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

NEIN zu Brautgeld!

Gewalt ist kein Schicksal

 Gewalt ist kein Schicksal

Jede Frau hat eine Geschichte